Page - 226 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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226 harnten,
Leben pulsirt. — Die steinerne Lichtsäulc der Schuster und Ledcrcr vom Jahre 1477 hat man für altslawisch erklären
wollen, — ohne Noth. Die Erfindungslust wird sich am besten bewähren können, wann es gilt, dem Stadtwescn
neue Einnahmequellen zu erschließen, nachdem es durch die Eröffnung der Loiblstraßc den Kankerpaßhandel eingebüßt,
durch die hüttcnberg-klagenfurtcr Bahn den Flossen- und Plattlvcrtricb, nachdem es eine Stunde abseits von der
Südbahntuur geblieben und durch die lcwantthaler Schienenstraßc nun auch dieses Gebietes verlustig geht. Worum
die Stadt schon gegenwärtig zu beneiden, das ist der eine prächtige Aussicht bietende kleine Park „die Bürgcrlust"
an deu vorgeschobensten Höhen über dem Trau-Riunsal. Wir stehen da auf günstigster Warte am Rande iener
ubstschwcllcndcn Gegend Kärntcns, welche an süßem Rcichtumc wetteifert mit dem Ober-Drauthale, dem Rosen- und
Glanthalc, dem Blciburgcr-Bodcn und dem Untcrlavantthalc. Wir stehen auf günstigster Warte, sagten wir, gegenüber
jenem Hochgcbirgs-Grenzzug zwischen Grintouz und Petzen, Kulmen von 2108 bis 2553 Meter, welche ganz neuesten.-
als Sulzbachcr- oder Sannthalcr-Alpcn touristisch aufgeschlossen wordcu sind, nnd deren Fuß von hier aus in vier
bis acht Stunden zn erreichen ist.
Von den Baumälcrn der Stadt geht die Nupcrtikirche mit dem Portal-Vogcnfclde, wenn auch nicht in die
Zeit von 760, doch möglicherweise ins 12. Jahrhundert zurück. Die Magdalcncn- oder Stadtvfarrkirchc verhehlt trotz
allein Wechsel des Geschmackes nicht die frühen romanischen Muster. Stadt und Gebiet gehörten abwechselnd zum
landcsfürstlichcn Besitze und nach Stift St. Panl im Lavantthale; die Ritter der benachbarten Heunbnrg streckten aber
ihre Hände nicht blos nach diesem Orte, sondern sogar nach dein Landcsherzogthum selber aus, bis alle Intrigue»,
Rüstungen und Hccrzügc mit der Schlacht am nahen Wallersbcrge endigten. Das Jahr 1307 ist durch die
Belagerung seitens der Stciercr nnd Salzburger, durch Brand nnd den Einsturz des Thorthurms gekennzeichnet.
Seit 1470 Sitz mehrerer Landtage in den Zeiten der Bauinkirchcr-Aufstände, der Türken- und Ungarncinfälle,
bewarb sich die Stadt mit den übrigen Vororten um die Religionsfreiheit seit 1579 dringlicher und fügte sich der
Reaction wie die übrigen.
Vor dem Lustschlosse Thallenstcin, einst des Poeten Al. Blumaucr Aufenthalt, und seinen Gärten und Ananas
beetcn vorbei wandern wir in das stille Dorf Heunburg. Auf mäßigem Hügel nebenan erheben sich die Front-
wände von Alt-Hcunburg. Aber die massiven grauen Trümmer der alten Hunncnburg lagern, ganz anders verwittert
als dieses ziemlich späte Thal- und Pflcgerhaus, oben in den dunklen Waldhorstcn des Kaiser- und Zaubcrkugcls, wo
die Hohlwege den Nandelitzen näher leiteten in das trixener Burgcnthal. Das ist der Hanptansitz jenes mächtigen
in Steicr und in Kram reich begüterten Edclhauses, welches schon vor dem Jahr 1100 im truchsener Comitate
gebot und nach den fürstcnmäßigcn Grafen das vorderste Geschlecht in Kärnten war. Ihre Untcrthancnschaft war
vorwiegend slavisch, ihre Hcrrcnburg ist nach den Riesen (I^edrs) benannt wie der Riesenblock der Obir. Aber wir
wollen in der Veste keine alte Slaven- oder Avarcnburg sehen, wie denn noch Niemand eine slouenischc Urkunde
diesen Herren vorgewiesen. Wol aber hielten sie in Papstgewalt-Streiten scharf die Partei des deutschen Kaisers.
Graf Ulrich IV. erreichte die Hand der Landesherzogswittwe Agnes, einer Markgräfin von Baden, und versuchte
deren große Ländercien-Ansprüchc geltend zu machen) jedoch selbst der neue Kaiser Rudolph, für den er in der
Marchfeldschlacht mit zweihundert Edlen gckämpft, vermochte sie nicht zu erfüllen. Einen Landesfürstcn zu erbitten,
war vormals sein Vater dem Kaiser Friedrich II . nachgesendet worden. Eben dieser vierte Ulrich schaltete in Stcier
1292 als eine Art gewählten Regenten und hatte Theil an jener Revolte in Kärnten, welche bis zu der Haftsctzung
des Prinzen Ludwig fortschritt und errang noch die Ucbergabe des benachbarten uneinnehmbar scheinenden Griffener-
Schlosses. Jetzt aber, nach mannigfachen Verwüstungszügen, verlor er das Treffen bei Weissencck, verlor darin seinen
ihm treuen Schärfenbcrgcr, alle seine Güter obendrein, die tiefgekränkte Gcmalin, um dann erst wieder mit Auf-
opferung der hohen Ansprüche seine Besitze zurückzuerhalten. Diese Wendung ertrug er bis 1308. Seine Töchter,
vermalt den Pfannberg, Sonneck, brachten weite Ländcreien an ihre Herrschaft, indem die Theilung des Großgutes
erfolgte nach dem Erlöschen des Stammes mit Friedrich und Hermann. Noch übernahmen die sieghaften Auffen-
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918