Page - 240 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Aärnten.
Schlesien begonnen, fast alle Landwirtschafte» und Werkshäuser von Reideben heraufwärt-- durch-:- ^berlavantthal
bis Zeltweg gleich einer neugeschaffenen Grafschaft Lavant an sich zn ziehen, mit neuen Mitteln zn bebauen und zu
bewirtschaften, wurden mit einem Aufwande von zwei Millionen Gulden stilgerecht und in vornehmer Ausstattung
vollendet. Hier die große gothische Reitschule, da das monumentale Schloßportal, wo die Iagdopfcr der Hirsche
und Rehe lagern, in den Etagen prunkendes Möbclwerk neuesten Geschmackes und der Spätrenaissance, Tafelaufsätze
und Pferdrennbaste in lockender Auswal, der Billard- und Waffenfaal, die Ausschau-Söller, die Kapelle, die blumen-
prunkenden Gärten! Auf waldigen Pfaden beschreiten wir den ernsten Hain auf dem Gumitschberge. Da feiert
die Pietät das Andenken der 1858 verstorbenen Gräfin Henkel, Fürstin Hardcnbcrg, durch ein einsames, auf thal-
beherrschender Terrasse erhobenes Mausoleum. Der mit weißem Marmor verkleidete Tempel von Obcrbaurat Mühler
steigt aus dem geschlossenen Quadrat des Inncnraum? in ein Oktagon auf, der Sarkophag mit der Gestalt der
l'ntschlafcnen ist ein Meisterwerk des berliner Bildhauers Kiß.
Die Berghänge leiten nns hinaus nach Frantfchach und Et. Gertrud, mit einstigen Hochöfen und Raffinicr-
werken, frühesten Puddlingstationen, welche Ecmentstahl, Streck- und Zcngwaarc über die dreißig Tausende von
Centnern jährlich in die Welt senden. Vormals von den Bambergern bewirtschaftet, al-i-dann vom Staate, nament-
lich in den französischen Kriegszeitcn für das Gcschützwesen ausgenützt, später durch die Wolfc-berger-Union mit den
Oefen zu Kullnitz und St. Leonhard und den Eisengruben der Nölch und am Lobenbcrg betrieben, sind diese lärm-
vollen und leistungsrcichcn Stätten mit den schnaubenden und funtenpustenden Esscnreihen in manchem Erstling-:-
versuche für Oestreich vorbildlich geworden. Aber auch für forstliche Verklausung, Abschwemmung und RechenEinfang,
für Tristung und Auskohlung der herrlichen Waldstämme ist hierorts von Schlucht zu Schlucht, von Graben zu
Graben Mustcrgiltiges gehandhabt.
Durch die fclscnumstarrte Wölch, bis wohin der Teufel die Blöcke von der Saualpc geschleppt, über
Gräber», der Ruhestätte des vom Tode überraschten Rompilgers Wilhelm Grafen von Zeltschach, leiten waldumsäumte
Pfade nach Prcblau. Auf weithin schauender Hügelwiese nimmt ein mit allem Eumfurt, insbesondere für Jagd-
freunde, ausgerüstetes Kurhaus die Summcrfrischgästc auf, der Säuerling Brunnen aber speiet sowul die Badwannen
wie die sechshundert Halbflaschen täglich, welche durch ganz Kärnten das seltersartige Getränk für den Wirts- nnd
Krantentisch stellen. Thalab fahren wir dem Twimbcrgcr-Graben z».
Ein eigenartig umschlossener Thalkessel, hier steilere Abstürze, dort sachtere wcgdurchfurchte Anstiege, der
Ticfboden vom Bachgewässcr durchschwemmt, ist jener von Waidenstein. Ueber den Hammerhänscrn mit rußigen
Mauern und qualmenden Ranchminarets starren des alten felsbegründeten Schlosses hinreichend erhaltene Wände.
Die Waldstufen gipfeln sich knapp hinter der Veste hinan und tragen zu oberst, auf den Guncck-Plateaur, das
höchste Pfarrdorf des Lavantthalc-, Theißencgg (1070 Meter); die zerrissenen Flanken aber sperren rechts und links
den öden wilden Twimbcrgcr-Graben ein. Herrliche Stege führen durch das, an merkwürdigen Gesteinen überreiche
Engthal hinan zum Hochdorfe Breitencck. Reine Lüfte schweben zwischen den sonnigen Waldkämpen und es scheint
wie eine böse Erfindung, wenn erzalt wird, von diesem netten und allseits offnen und freien Bcrgdörflein sei jene
Pest des Jahres 1689 über Kärnten ausgegangen, ins Mißthal, nach Bleiburg und Ferlach ausgreifend, um welcher
willen man die Tranbrücken sperrte und sogar die hauptstädtischen Pforten verrammelte. Bei den vier Thore»,
nachdem eine huchansehnliche Gesellschaft von Bergspitzen ins Blan aufgetaucht, ist der Abstieg nach Pack geboten;
parkartig eingeleitet, kann der Epaziergang über Edclschrott, Voitsbcrg und die neu» Berge nach Graz ein wahrer
Hochgenuß genannt werde». Jedoch uns ist es vorgesetzt, seitlich die Vurhöhen des Hirschecks nehmend, auf die
einzige merkliche Thalausbreitung um das Städtchen St. Leonhard zuzusteuern. Die hundert und ei» paar Dutzende
Häuser bilden eben nur die Garnitur eines wenig kurzweiligen Platzen, den die Pestsäule von 1723 — wir wollen
doch nicht frevelnd sagen — ziert. Ganz anders auf deu Wiesengchängen gegen Ost die imposante Kirchbaute, das
Prachtstück des Obcrlavantthales, gewidmet dem Patrone der zahme» Thiere, besonder-5 von Rind und Pferd, auch
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918