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6 Belehren– informieren–werben:Forderungen
andasMedium(Industrie-)Werbefilm
6.1 PropagandafürStaatundVolk–DieStaatliche
Filmhauptstelle
Die Errichtung der staatlichen Filmhauptstelle und der staatlichen Lichtbildstelle fällt zeitlich
ungefähr zusammenmit der Gründung unseres Freistaates, der auf Grund der namentlich im
Kriege gemachten Erfahrungen zur Erkenntnis kam, dass Film und Lichtbild alsWerbeinstru-
mentenahezudieBedeutungderPresseüberflügelthabenunddaher zurFörderungstaatlicher
undöffentlicherBestrebungenindenDienstderStaatsverwaltunggestelltwerdenmüssen.327
NachdemEndedesErstenWeltkriegsundderErrichtungderErstenRepublikstellte
sich die Frage, wasmit den Filmbeständen und Einrichtungen (Laboratorien, Auf-
nahmeapparate, Atelierausrüstung etc.) des KPQ zu geschehen habe.328 Schon im
Dezember des Jahres 1918 sprachen sich Vertreter der Hochschulen, der Wiener
Urania sowie der graphischen Lehr- und Versuchsanstalt für den Erhalt und die
Weiterführungdes Instituts unter denneuenpolitischenBedingungen aus. Ökono-
mische, kulturellewie auch touristisch ausgerichtete Propagandamüsse– so hieß
es – auch dem neuen Staat ein Anliegen sein. Wissenschaftliche und bildungs-
zentrierte Streifen könnte zudem nur eine staatliche Einrichtung umsetzen, die
Privatindustrie hätte an derartigen, finanziell wenig lukrativen Produktionen kein
Interesse.329
DemWunsch der Bildungslobby wurde letztlich entsprochen. Im März 1919
erfolgte die Neugründung der Institution unter dem neuen Namen „Staatliche
Filmhauptstelle“ (FHS). Im Juli desselben Jahres nahm sie ihre „faktische Tätig-
keit“ auf.330 Die Aufgabenbereiche der neuen Behördenwurdenwie folgt darge-
legt: „DieFHShat vornehmlichFilms zuerzeugen,die zuwissenschaftlichenund
327 ÖStA, AdR, Staatskanzlei-BKA, alt, Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1922, Ktn. 237, Zl.
1069,Ggstd.:RichtlinienbetreffenddieFührungderFilm-Haupt-undLichtbildstelle, 18.April 1922.
328 DieAutorinzitierthierKapitel 7 ihresArtikels:Moser,Vom„öffentlichenÄrgernis“zumPropa-
gandawerkzeug,Kapitel 7„NachdemKrieg–dieStaatlicheFilmhauptstelle:VerwalterdesVergan-
genen,Mahner der Gegenwart, Propagandist einer neuen Idee“, http://ww1.habsburger.net/de/
kapitel/nach-dem-krieg-die-staatliche-filmhauptstelle-verwalter-des-vergangenen-mahner-der-
gegenwart, 30.11.2014.
329 ÖStA, AdR, Staatskanzlei-BKA, alt, Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1920, Ktn. 235, Zl.
944,Ggstd.:FortführungderFilmstelledesKriegspressequartiers fürZweckeder staatlichenPropa-
ganda,9.Dezember1918.
330 ÖStA, AdR, Staatskanzlei-BKA, alt, Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1923–1924, Ktn.
238,Zl. 1623/4,Einbringer:AmtveranlassungBKA,Ggstd.:UmwandlungderFHSineingemeinwirt-
schaftliches Unternehmen, Oktober 1923 sowie 1920, Ktn. 235, Zl. 915, Ggstd.: Memorandum zur
FHS,22.März1920.
OpenAccess.©2019KarinMoser,publiziert vonDeGruyter. DiesesWerk ist lizenziertunterder
CreativeCommonsAttribution4.0Lizenz.
https://doi.org/10.1515/9783110622300-006
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur