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und dem Auslandsdeutschtum, insbesonders dem altösterreichischen Auslandsdeutschtum
herstellen.“433
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs etablierte sich in Österreich wie auch in
DeutschlanddasGenredesKulturfilms, dessenUrsprungbei den seitMitte des 19.
Jahrhunderts in Westeuropa und in Nordamerika üblichen Lichtbildvorträgen
liegt.434 Die so benanntenFilmewiesen zumeist eine Länge von etwa 15 bis 20Mi-
nuten auf,waren Teil des Kinobeiprogrammsundhatten einen „kulturellenMehr-
wert“ aufzuweisen. Durchaus von pädagogischer Stilistik geprägt, wenn auch
mituntermitpopulärunterhaltsamenElementenversehen,berichtetensieübereth-
nografische, geografische, naturwissenschaftliche, kultur- und regionalgeschichtli-
che,historischeoder technischePhänomene.435
InderÄradesAustrofaschismuserlebtedasGenre inÖsterreich, auch imSinne
eines „kulturimperialistischen“ Auftrags, einen Aufschwung. Nur wenigeWochen
nach derAusschaltungdes Parlaments imMärz 1933 suchte die RegierungDollfuß
nacheinerMöglichkeit,denFilmalsPropagandainstrument fürdieVerbreitung„va-
terländischerWerte“ zu nutzen. Mittels der Regierungsverordnung vomApril 1933
verpflichtetemandie Kinounternehmer zur Vorführung der neuen staatlichenWo-
chenschau ÖSTERREICH IN BILD UND TON (ÖBUT).436 1934 erweiterte man die Verord-
nungdahingehend,dassnebenderAktualitätenschauauchandereKurztonfilme im
Vorprogramm obligatorisch zur Vorführung kamen.437 Mit einem „Aufführungs-
zwang“ solltenallerdingsnur jeneKurzfilmebelegtwerden, die voneinem „ausge-
sprochen gemeinnützigen Charakter“waren, „kulturelle Sujets“ vermittelten oder
klar „für das gesamtösterreichische Wirtschaftsgebiet“ warben.438 Hauptsächlich
433 ÖStA, AdR, Bundesministerium für Handel und Verkehr (BMHV), 581c, Ktn. 3766, Gschz.
92648-WPA38,Grz.92016,Ggstd.:ObligatorischeKurzfilme,Dezember1937, Jänner1938.
434 Kreimeier,Klaus:EindeutschesParadigma.DieKulturabteilungderUfa, in:Kreimeier,Klaus/
Ehmann,Antje/Goergen, Jeanpaul (Hg.): Geschichte des dokumentarischenFilms inDeutschland,
Bd.2,WeimarerRepublik1918–1933,Stuttgart 2005,S.68–70.
435 Siehedazuauch: Jacques,Reise- undTourismusfilme, S. 198–199.Goergen, Jeanpaul:Derdo-
kumentarische Kontinent. Ein Forschungsbericht, in: Kreimeier, Klaus/Ehmann, Antje/Goergen,
Jeanpaul (Hg.):GeschichtedesdokumentarischenFilms inDeutschland,Bd. 2,WeimarerRepublik
1918–1933,Stuttgart 2005,S. 17.
436 VerordnungdesBMHV,24.5.1933,BGBl. I/Nr. 198.Vgl.:Moser,Karin:DieDemokratiehataus-
gedient, in: Moritz, Verena/Moser, Karin/Leidinger, Hannes: Kampfzone Kino. Film in Österreich
1918–1938,Wien2008,S. 296 f.
437 Verordnung des BMHV, 28.3.1934, BGBl. Nr. 206. Die obligatorischeVorführung von österrei-
chischen Kurztonfilmen sollte die Herstellung von Tonfilmen in Österreich fördern. Siehe: Heiß,
Gernot/Klimeš, Ivan:KulturindustrieundPolitik.DieFilmwirtschaftderTschechoslowakeiundÖs-
terreichs in der politischen Krise der Dreißigerjahre. Entwicklung in Österreich, in: Heiß, Gernot/
Klimeš, Ivan (Hg.): Obrazy času/Bilder der Zeit. Tschechischer und österreichischer Film der 30er
Jahre,Praha/Brno2003,S.421.
438 ÖStA, AdR, BMHV, 581c, Grz. 93350-WPA/35, Ggstd.: BMHV, Richtlinien für obligatorische
Filmpropaganda;Vermittlungsstelle fürPropagandafilme,Februar 1935sowieebd., 581c,Ktn. 3711,
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur