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der Film in 40Kopien in denVertrieb kam.Die österreichischenBeamten erwar-
teten sich von dieser Reklame eine direkte Auswirkung auf den heimischen
Wintertourismus.460
Als wirtschaftlich erfolgreichster Film der Periode 1935/36 wurde BUNTES WIEN
(aka VERKLUNGENES WIEN, A 1935) prämiert, der auch in einer englischen Version
(ADAYINVIENNA)vorliegt.BeiVorführungenimRahmenderWeltausstellunginBrüs-
sel 1935wurdeder „großartigenBildsinfonie vonWien“ „besondererBeifall“bekun-
det, zugleich hatte er unter den österreichischen Kulturfilmen „bislang die größte
Auslandsverbreitung“ gefunden. Die Berichterstattung schwelgte in entsprechend
lobendenBekundungen:„Ihm[Anm. :BUNTESWIEN] fehltebensodie langweiligeAuf-
machung eines ‚Filmführers’, wie die konstruierte ‚Wiener Stimmung’, aber in dem
sanften Gleiten der ausgezeichnet geschnittenen Bilder wirken sie wie der sichtbar
gewordeneRhythmus lieblicherWienerMusik. Sie verraten in ihrer ausgeglichenen,
vorzüglichen Lichtwirkungkaumdie aufgewendete ungeheureMüheundAusdauer
derbeidenKameraleuteKarlKurzmayerundHans Imber.GeradedieseguteLeistung
lässt nur stärker denWunschaufkommennachder Schaffungdes lyrischenFilmes,
deskünstlerischenFilmgedichtes.“461
BUNTESWIENwurdeauchaufder zwei Jahre später stattfindendenPariserWelt-
ausstellung neben den Filmen WILDE WASSER, WIENER GÄRTEN –WIENER BAUTEN,
GEHEIMNIS IMSCHILF, INGOTTESALPENGARTEN, IMLANDTIROL,DORFSYMPHONIE,AUFMO-
ZARTS SPUREN, ÖSTERREICHISCHE SYMPHONIE im eigens eröffneten „Palais du Cinéma“
gezeigt.Diebesonderswegen ihres touristischenSchau-undMehrwertsausgewähl-
ten Filmehatten letztlich „die Schönheitendes Landes“, das „heimatlicheWesen“
sowie„ÖsterreichsWirkenundSchaffen“ indieWeltzu tragen.462
Speziell für den Pariser Rahmen gab das Amt für Wirtschaftspropaganda
einen adäquaten Kulturfilm in Auftrag, der zum zweiten Erfolgsschlager der Kurz-
filmproduktionder Jahre 1934 bis 1938werden sollte.WIENERMODE (A 1937)wurde
bereits vor seiner Premiere von zwei US-amerikanischen Kaufhäusern für Vorfüh-
rungszweckeangefragt.463Der Filmwarbmittels einesPotpourris anBildikonen für
460 ÖStA, AdR, BMHV, 581c, Ktn. 3591, Grz. 98484-WPA/35, Ggstd.: Schreiben Selenophon an
BMHV,Film„HannesSchneider lehrtSkilaufen“,April 1935.
461 ÖStA,AdR,BMHV,581c,Ktn.3649,Gschz.111343-WPA/36,Grz.92878-WPA/36,Ggstd.:Schreiben
Kammer fürHandel,Gewerbeund Industrie inWienanBMHV,StiftungvonEhrenpreisen fürdieös-
terreichische Filmindustrie, November 1936 sowie ebd., Ktn. 3711, Gschz. 92289-WPA/37, Grz. 92288-
WPA/37, Ggstd.: Kulturfilmvorführungen in der Urania, Befreiung von der Lustbarkeitsabage, März
1937.
462 Tonfilm, Theater, Tanz, „Tonfilm, Theater, Tanz auf der PariserWeltausstellung“, Nr. 8, 1937,
S.4–9.
463 ÖStA,AdR,BMHV, 581c,Ktn. 3711,Gschz. 103257-WPA/37,Grz. 92307-WPA/37,Ggstd.: Schrei-
benGewerbeförderungsinstitut desKammer fürHandel,Gewerbeund Industrie inWienanBMHV,
Modefilm,PariserWeltausstellung, Juni 1937.WKW,Filmakten, Paket 3173/2,M8, „Filmkonferenz
Protokolle“,Verhandlungsschriftder6.SitzungdesÖsterr.Filmkonferenzvom27. Jänner 1937.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur