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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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Hier bedingt das Kapital jene Zuneigung, die das (demKonsumerleben entge- genstrebende)KinddemVaternunentgegenbringt.DieEinstellungsgrößenunddie BildausschnitteunterstützendiegefühlsbeladenenSzenerien.Allgemeindargelegte Situationen sind in Halbtotale gehalten, stehen Emotionen imMittelpunkt, rückt man näher an die Szenerie und somit an die Protagonisten heran. Während die GesichtslosigkeitdesVaters indererstenSzene (nurseinRumpf ist zusehen)meta- phorisch zuverstehen ist und seineVerlorenheit und seinenVerlust der Selbstach- tungspürbarmacht, erhält er inder zweitenSequenzseinePositionwieder zurück. InderDiagonale vonoben (Mann)nachunten (Kind) angeordnet, ist die elterliche Dominanzzurückgewonnen. DieKonzentrationaufGestikundMimikinderGroßaufnahmegibtEinzelaufnah- men besondere Bedeutung und den vorgegebenen Textzeilen emotionale Zugkraft. Die Szenerie vor dem „Arbeitslosenamt“, bei dem sich fast ausschließlich Männer einfinden, ist neuerlich auf dieweibliche Zielgruppe ausgerichtet. Eine junge Frau, diedesWegeskommtunddie frierendenGestaltenbeobachtet, fungiert als Identifi- kationsfigur. DenWorten „Wenndie Schillinge entschwinden–wie hier Lohnund Arbeit finden?“ folgteineGroßaufnahme:DieLippenfestaufeinandergepresst,blickt dieDameernstundnachdenklich inRichtungderMenschenschlange, sienickt und wendet den Blick langsam ab. Verständnis, Mitgefühl, persönliche Betroffenheit – die kurze Sequenz lässt viele Zuschreibungen zu, die Zuschauerin im Kino konnte jeweils ihreeigeneInterpretationwählen. WOHIN LÄUFST DU SCHILLING? versucht neben dem Hauptpublikum „Frauen“ auchmöglichst viele Bevölkerungsgruppen einzubinden und somit anzusprechen. Nebender gehobenenMittelschicht (Ehepaar, Kunden imKaufhaus), denBeamten (Grenze),HandwerkernundAngestelltenwurdenauchdieBauern immittlerenTeil in dieHandlung eingebunden. DasGedeihen der heimischenMilchwirtschaft wird überBildervisualisiert. IstvorerstnureineKuhaufderAlmzusehen,so füllensich dieStällenachdemEinmarschderSchillingmünzenamHofmitVieh.EinePersoni- fizierungderBauernbleibtaus, eineinzigerLandwirtwirdbeimMelkenvonhinten gezeigt. Die ländliche Sequenz ist amwenigsten ausgearbeitet. Der Auftrag, auch diesen Stand zu berücksichtigen, scheint konsequent, aber uninspiriert durchge- führt.Erbildet schlichtdenmittlerenTeil,demdiePräsentationdesHandwerksvo- rausgehtund jenederAngestellten folgt. Die Zielrichtungdes Films ist klar erkennbar:Unter Einbindungmöglichst vie- ler„Schichten“und„Stände“ solltederWirtschaftspatriotismusderÖsterreicherin- nen und Österreicher geweckt werden. Vor allem die kaufkräftige Gruppe, die tendenziell ausländische Waren den heimischen vorzog,501 versuchte man einem„Umerziehungsprozess“zuunterziehen.MoralischeundpersönlicheAspekte 501 Vgl. dazu auchdieAusführungen in:Kontakt, „Kauft österreichischeWaren!“, Nr. 8, Juli/Au- gust 1930,S. 11. 118 6 Belehren– informieren–werben
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Title
Der österreichische Werbefilm
Subtitle
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Author
Karin Moser
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
316
Keywords
Culture of memory, media history, advertising
Category
Kunst und Kultur
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