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NachdemErstenWeltkriegberichtetendieFilmbranchenblätter vor allemüber
daswachsendeAnsehen, dasderwerbendeFilm inDeutschlandgenoss.Der „Ver-
eindeutscherReklamefachleute“zeigte InteresseandemmodernenWerbemedium,
lud zu entsprechenden Vorträgen und Vorführungen ein. Die qualitativ hochste-
hendenProduktionenderdeutschenReklamefilmhersteller, speziell jene JuliusPin-
schewers,wurdendetailreich beschriebenundob ihrer technischenundkreativen
Umsetzunggewürdigt.603 InÖsterreichkonstatiertemanzuBeginnder 1920er-Jahre
hingegen noch eine Rückständigkeit auf dem Gebiet des Werbefilms.604 Die „le-
bende Reklame“ wurde besonders seitens der „Lido-Film“ als eine neuartige,
„kurze (drei bis vierMinutenwährende)die SinnedesPublikumsheiter anregende
Programmnummer“präsentiert.605 Doch obwohl sich die Lido-Film 1920 vornehm-
lich als Reklamefilmproduzent darstellte, erzeugte die Firma ebenso dramatische
Spielfilme.606
Tatsächlichwar um 1920 für viele Filmproduzenten der werbende Film „nur“
eine zusätzliche Einnahmequelle. Erst im Verlauf des Jahrzehnts etablierten sich
Unternehmen, die sich auf die Herstellung kurzer Filme spezialisierten,607 wobei
Aktualitätenbisweilennochzu ihremRepertoirezählten.Produziertwurdenseitens
derKurzfilmherstellerabergrundsätzlichWerbe-, Industrie-,Lehr-undKulturfilme.
Die große Bandbreite der Produktionwar bewusst gewählt. Mit der Konzentration
aufnur einGenrewäre fürdieKurzfilmerweder inDeutschlandnoch inÖsterreich
einAuskommenzufindengewesen.608
Reklamefilmegaltenan sichals exklusivesWerbemittel, insbesondere finanziell
gut situierte Unternehmen setzten auf das moderne, visuell ansprechende Lauf-
bild.609ZudemwurdenWerbefilmestets inVerbindungmitanderenReklamemitteln,
wieWerbedias, Plakate oderAnzeigen, eingesetzt undwarenTeil einer großangele-
gten Kampagne.610 Letztlich blieben die Ausgaben für den Werbefilm weit hinter
jenen für andereWerbemittel, vor allemder Printreklame, zurück. FürDeutschland
liegenZahlenausdemJahr1929vor,wonachderAnteilderWerbefilmproduktionam
603 Der Filmbote, „Verein deutscher Reklamefachleute, Der Film als Kundenwerber“, Nr. 44,
30.Oktober 1920, S. 4. Ebd., „VortragmitDemonstrationüber das Themader FilmalsKunden-
werber“,Nr.47, 20.November 1920,S. 7.Ebd.,„Reklamefilme“,Nr. 14, 2.April 1921,S. 23.
604 Der Filmbote, „Vorführung der Firma Lido. Die lebende Reklame“, Nr. 42, 23. Oktober 1920,
S. 27.
605 DerFilmbote,„Lido-Reklamefilme“,Nr. 35, 28.August 1920,S. 21.
606 Der Filmbote, „Lido Film“, Nr. 36, 9. September 1920, S. 15. Ebd., „Die Lido-Filmfabrik“,
Nr. 50, 11.Dezember1920,S. 18.
607 Zu nennenwären hier etwa Robert Reich, Karl Köfinger, GustavMayer, Hans Ludwig Böhm,
WilhelmHipssich,HansBrückner,BrunoLötsch
608 Vgl.Marcus, Paul: Der zweite Tag derWerbefilmtagung; in: LichtBildBühne, Nr. 194, 15. Au-
gust 1929,zit.nach:Goergen, In filmoveritas,S. 357.
609 Eckardt,Boehner-Film,S.67.
610 Sieheetwa:Verkaufspraxis,„DerWerbefilmimWerbeplan“,Nr. 1,Oktober1932,S.32–36.
8.1 Einzelkämpfer füreinneuesWerbemittel 137
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur