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ImGremiumdes imApril 1936neubestelltenFilmbeirats fandsich letztlichaber
mit Karl Köfinger derObmanndesKurzfilmherstellerverbandes.651 Das insistierende
Lobbying war letztlich erfolgreich. Zwei Vertreter des Kurzfilmherstellerverbandes
nahmenzudemimGutachterkollegiumdesBundesministeriums fürHandelundVer-
kehr ihrenPlatzein.Diese InstitutionhatteüberdieZulassungundüberetwaigeAb-
änderungen der obligatorisch vorzuführenden Filmproduktionen (Wochenschauen,
Kurzfilme)zuentscheiden.652
Das beharrlicheAuftretendesKurzfilmherstellerverbandeswurde auch imZuge
derBeratungenzurKonstituierungeiner Filmkammer stark kritisiert unddieBedeu-
tungdieser Brancheneuerlichmarginalisiert. DieOrganisation hatte sich,wie auch
dieFirmen„Selenophon“und„Tobis-SaschaFilmindustrieAG“, gegeneinenzentra-
len Zusammenschluss aller Filmschaffenden nach deutschem Vorbild ausgespro-
chen. Begründet wurde dieser Einwand vor allem mit zu erwartenden erhöhten
Beitragskosten aufgrund eines enormen bürokratischen Aufwands und der völlige
Verlust des unabhängigen, wirtschaftlichenHandelns.Während das „Gremiumder
LichtspielunternehmerÖsterreichs“, der „Gesamtverbandder österreichischenFilm-
produktion“ sowie der„Gesamtverband der österreichischen Filmkaufmannschaft“
denbeidenGroßfirmen, die einen erheblichenEinfluss auf die Gesamtbranche aus-
übten,Verständnis entgegenbrachtenunddiesbezüglichnachKompromisslösungen
suchten,degradiertemandieKurzfilmhersteller zuohnehinnicht ebenbürtigenPart-
nern.653 Eshandle sichbeidieserGruppeum „Reklameleute“, die„mitdemeigentli-
chenFilmgeschäft,dashauptsächlichdurchdieFilmproduzenten,Filmverleiherund
Lichtspielunternehmer repräsentiert wird, nichts zu tun haben“. „Wenn die Licht-
spielunternehmerzumBeispielbeschließenwürden,dasssiezurVermeidungderBe-
lästigung der Besucher der Lichtspielunternehmen durch die Reklame keine
Reklamefilme, fürderenVorführungohnediesnurwenigbezahltwird,mehrvorfüh-
ren, so gibt es in diesem Augenblick diese kleine Berufsgruppe nicht mehr. Diese
ganz lose Verbindung gibt den Kurzfilmherstellern nach unserer bescheidenen
Meinungdahernicht dasRecht, eineErledigung zu fordern, die der gesamtenFilm-
wirtschaftzumSchadengereicht.“DieVertreterderdreiGremienerklärtendesWeite-
ren, dass sie derzeit gar keinenWert darauf legten, die Kurzfilmhersteller in eine
651 Robert Reichwar im Filmbeirat hingegen nichtmehr vertreten.WStLA,MA 104, Zl. K 883,
„Verzeichnis der Mitglieder des Filmbeirates in der Funktionsperiode 1. Mai 1936 bis 30.
April 1937“, 29.April 1936.
652WKW,Filmakten, Paket 3173/1,M 1, „FilmwirtschaftlicheVorschriften. Erlassen vomBundes-
ministeriumfürHandelundVerkehr (Amt fürWirtschaftspropaganda),Wien1937,AbschnittD,Ob-
ligatorischeFilmvorführungen,Pkt. III.,S.6.
653 ÖStA,AVA,BMU,Unterricht-Allgemein (1848–1940),Film1929–1940,Ktn. 29,Zl. 35983,Betreff:
„Schreiben„GremiumderLichtspielunternehmerÖsterreichs“,„Gesamtverbandderösterreichischen
Filmproduktion“, „Gesamtverbandder österreichischenFilmkaufmannschaft“ andasUnterrichtsmi-
nisteriumbetreffendberufsständischeEingliederungderFilmwirtschaft“, 20.Oktober1937.
8.3 VerbandderKurzfilmhersteller 147
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur