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ihrer Arme und Beine in den einzelnen Einstellungen die Position. Gesichtspartien
werden ausgetauscht, die beweglichenGliedmaßenverändert. Ein eher gleichförmi-
ger, nicht allzu auffällig gestalteter Hintergrund753 bietet das Bühnenbild, vor dem
sichdieHandlungimVordergrundereignet. ImFallvonDERSTIEFELPUTZERALSLIEBES-
AMOR bildet eine in mattem Grauton erscheinende, wenig detailreich gezeichnete
Häuserfront mit Baumzeile die Kulisse. Die „handelnden“ Pappfiguren heben sich
durcheinestärkereLinienführungundmehrDetailsvomHintergrundab.
Der in einemZierrahmenpräsentierte Filmtitel zuBeginn lässt auf einennachfol-
genden Spielfilm oder zumindest auf einen heiteren einaktigen Schwank schließen.
Letzteres liegt imnarrativenFokusdesWerbefilms, der anhandeiner amourösenAn-
bahnung dieWirkungskraft der Schutzputzcreme „Cavalier“ demonstriert. Schon die
aufeinanderfolgendenZwischentitel„Siegeht spazieren“und„Ersteigt ihrnach“defi-
nieren die stereotype Ausgangssituation des Liebesabenteuers. Die nun gewählte ge-
stalterische Umsetzung konzentriert den Blick auf die Körpersprache und weckt
zugleichdas Interesse,dasnichtSichtbaredochnochvisuelloffenbart zubekommen.
DieunspräsentiertenFigurensindnurabdemBrustkorbvisualisiert,dieKöpfe
unddamit dieGesichter bleibendemPublikumvorerst vorenthalten. Die Konzent-
ration liegt einerseits auf einer zartenFrauengestalt imgerafftenSommerkleid,mit
einemLorgnon in der Hand. An den Füßen blitzen schwarze, blank geputzte Stö-
ckelschuhe. Andererseits wird ein hochgewachsener Männerkörper in den Fokus
genommen, im Nadelstreifanzug, mit Stock und gänzlich grauem Schuhwerk.
DiemännlichenBeine folgen denweiblichen, tretenmit Nachdruck auf der Stelle,
umbeimGegenüberAufmerksamkeit zuerregen.EinegewisseUnruhedesWerbers
wirdoptischvermittelt.DieFrauwird ihresVerfolgersgewahr,blicktdurchdasLor-
gnon, ihrKörper hebt sichkurz, ob vor Schreckenoder Entzücken ist vorerst nicht
auszumachen. Er zieht den Hut zumGruß. Beide haben nun auch Gesichter. Die
Dameist sichtlich jünger (in ihrenZwanzigern)alsderetwa20JahreältereHerr. Ihr
schwarzer Bubikopf lässt sie modisch erscheinen, sein kahler Kopf macht
ihnmöglicherweise älter, als er ist. Letzterer grinst, umwirbtmit Gesten die junge
Frau. Er richtet seinen Hut gegen sein Herz. Ein Gefühl von Sehnsucht oder gar
Liebewirdunzweifelhaft angedeutet.DienachfolgendenHand-undKopfbewegun-
gen lassenauf einGespräch schließen (Zwischentitel bleibenaus).DieDamesenkt
nundenBlickundwird seinerSchuheansichtig. IhreHaare sträubensich, sie geht
aufDistanz. IhrKopfbeugt sichnachhinten,mitder linkenHandweist sie ihnvon
sichunddeutet auf seineSchuhe.DerMannhat einverzerrtesGesicht, seinKörper
beugtsichvorScham.DieFrauschreitetausdemBild.NocheinenMomentverharrt
der Zurückgewiesene in dieser Haltung, blickt auf sein Schuhwerk. Plötzlich ein
753 Ein zuüppig gestalteterHintergrundwürde bei der Legetricktechnik zu sehr vonder eigentli-
chenHandlungablenkenunddenFigurenzuwenigPräsenzgeben.Vgl. auch:Schoemann,Anima-
tionsfilm,S.32 f.
168 8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,Organisation,Einflusssphären
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur