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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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Es folgt der Packshot: Jambo ist nun in einer großen Einstellung zu sehen, er hebt belehrendden Zeigefinger. Zwischentitel: „Meine ‚Cavalier‘ Schuhcremewird immermit ‚glänzendem‘Erfolgangewendet.“ IneinernahenEinstellungsgrößehält JambodieSchuhcremedosemitderAufschrift„BesteSchuhcreme,TradeMarkCav- alier, SoloWien“ vor seinGesicht. Er schiebt die Dose zur Seite, während er auch seinGesicht seitlichwegbewegt. JambolächeltnocheinmaldemPublikumzu, lässt sein Gesicht wieder hinter der Verpackung verschwinden, senkt den Kopf, ent- schwindet demBild, nur seineHand hält von unten das Behältnis. Der Schriftzug „Ende“setztdem„Werbe-Schwank“einenSchlusspunkt. DER STIEFELPUTZER ALS LIEBESAMOR folgt einemkolonialenBlickmuster: Jambo ist immer inder untergeordnetenPositionplatziert, er sitzt stets, auf ihnwirdherabge- blickt,erdientundlächelt.Ergiltwohl inseinemDienstleistungsbereichalsExperte, verschwindet aber hinter dem Produkt. Über weite Strecken nimmt der Film aber auch seine Blickposition ein.Die Personen sindnur abdemRumpf ersichtlich, ihre Gestik, ihreBeine, ihreSchuhewerdenwahrgenommenundindenFokusgerückt. Neben der klar rassistisch-kolonialen ist hier aber auch eine patriarchalisch- sexuelle Sichtweise festzumachen. Der „aktiv agierende“Mann ergreift die Initia- tive, „stellt nach“. Die „passive“ Frau reagiert. Nur in dem ihr (aber auch dem in der hier vorgegebenen Lesart „dienenden Mohren“) sphärisch zugeordneten Be- reich–derSauberkeit–beziehtsievehementStellung.Nachder„Bereinigung“des Disput-Auslösers und einer eindeutig-zweideutigen „Säuberung“ ihrer Bekleidung durchdenMann, gibt sie sichhin, nimmtdieRolleder „schwachenSchutzsuchen- den“ (umklammert den männlichen Hals) ein. Das traditionell vorgegebene Gleichgewicht istwiederhergestellt. Die Gestik des „Verehrers“hat einen eindeutig sexuellen Zug. In den ersten Ein- stellungenbeimAktdes„Nachstellens“ ist seineHandgriffbereitderFrauentgegenge- richtet, sodass ein Griff an das weibliche Gesäß zumindest in der Bewegung angedeutet wird. Das Belecken seines Fingers unmittelbar vor der „Befleckung“ der DamedurchdenVogel,dasErscheineneines„schamhaft“dunklen (Vogelkot!), flächi- gen, buschigenFlecksdirektunter demGeschlechtsbereich sowie seinEntfernen sind nichtmehr nur scheinbar, sondern augenfällig sexuellmotiviert. Umso erstaunlicher ist dieseBildsprache, als zuBeginneinTitel-Schriftzugdaraufhinweist, dassderFilm „EigentumderWiener gewerblichen Fortbildungsschule,Wien, VI.,Mollardgasse 87“ ist.ObundwiedieserStreifenschulischzumEinsatzkam,warnichtzueruieren. DERSTIEFELPUTZERALSLIEBESAMOR ist alsDemonstrations-„Spot“einzuordnen.Ver- mitteltwird,dasszumgepflegtenÄußerenauchentsprechendsaubereSchuhezählen. Ein„Kavalier“habesichnichtnurwieeinerzuverhalten, sondernauchsozukleiden. Der Versuch, denNamen der Schuhcrememit der Narration zu verbinden, ist offen- sichtlich. Die Handlungsweise des vermeintlichen „Kavaliers“ ist abermehr als frag- würdigumgesetzt. Bekanntheit erwarb Köfinger vor allem aufgrund seiner über viele Jahre produzierten und weithin bekanntenWerbefilmserie über die österreichischen 170 8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,Organisation,Einflusssphären
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Title
Der österreichische Werbefilm
Subtitle
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Author
Karin Moser
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
316
Keywords
Culture of memory, media history, advertising
Category
Kunst und Kultur
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