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8.4.4 GustavMayer/AdolfMayer
GustavMayerwurdeam17. Jänner1875 inWiengeboren.Ab1908warerbeiderFirma
Pathétätig–vorerst inderk.u.k.Residenzstadt,späterals leitenderDirektorderFiliale
inAussig (heuteÚsti nadLabem inTschechien).764Am12.August 1912 löste er einen
Gewerbeschein zwecks „Handel mit kinematographischen Artikeln und Apparaten“.
Im Dezember desselben Jahres wurde die Konzession hinsichtlich der „Ausführung
vonkinematographischenAufnahmen“erweitert. Inden 1920er-JahrenwurdederZu-
satz„Filmverleiher;gewerbs.LeihweiseAbgabevonFilmen“ergänzt.765
Vor 1914 war Gustav Mayer im Verband der Kinobesitzer als Ausschussmit-
glied tätig.766Währenddes ErstenWeltkriegs nutzteman seineKenntnisse in der
FilmabteilungdesKPQs. Indenersten JahrenderRepublik begründete ermit der
„Pax-Film“ sein erstes Unternehmen, zu dem ein Filmverleih sowie ein Kinobe-
trieb zählten.1921 konzipierte er seine Firma „Mayer Film“, die je nach Ausrich-
tung seiner aktuellen Arbeiten als „Mayer’s Filmbüro“ oder „Mayer’s
Filmaktualitätenbüro“ in Erscheinung trat.767 Letztere Bezeichnung lässt bereits
auf jenes Spezialgebiet schließen, das für Gustav Mayer für viele Jahre bestim-
mend sein sollte. Die aktuelle Berichterstattung prägte bis etwa 1933 sein Film-
schaffen. Die von ihm eigens konzipierte AktualitätenschauWIENER-FILM-WOCHE
erschien 1925 in nur zwei Ausgaben. Er blieb vorerst bei einzelnenFilmberichten
aller Art von sportlichen Wettbewerben und Festen über Justizprozesse und
TrauerfeierlichkeitenbishinzuhochpolitischenEreignissenwiedemJustizpalast-
brand.768 Ab 1930 gingen die Firma „Selenophon“undGustavMayer in eine Ko-
produktion und erzeugten bis 1932 mit der „Selenophon Tonfilmschau Austria“
eineeigens fürdenheimischenMarktkonzipierteWochenschau.
GustavMayersSöhne–Rudolf (geboren1903)undAdolf (geboren1908)– lern-
ten das kinematographische Handwerk im hauseigenen Betrieb und drehten ab
1933 auchBeiträge für die „ständestaatliche“WochenschauÖSTERREICH INBILDUND
TON. Vater Gustav war zu diesem Zeitpunkt Berater in der Filmsektion der
764 Über seineAusbildungundTätigkeit vor 1908waren indenAktenkeineVermerke zu finden.
Auch der Enkel GustavMayers – Peter Mayer – konnte dazu keine Informationen beisteuern. Zu
seinerTätigkeitbeiPathésiehe:ÖsterreichischeFilm-Zeitung,„GustavMayerals Jubilar“,Nr.45, 11.
November 1933, S. 4. Schuchnig, Josef: AdiMayer Film. Eine österreichische Filmfirmamit Tradi-
tion, in:Filmkunst,Nr. 136, 1992,S.3.
765WKO,ArchivWien,Gewerbearchiv,Gewerbeschein„GustavMayer“,Nr. 10201, 12.August1912.
766 ÖsterreichischeFilm-Zeitung,„GustavMayerals Jubilar“,Nr.45, 11.November1933,S.4.
767 Ebd. sowie Schuchnig, AdiMayer Film, S. 3.Österreichische Film-Zeitung, „GustavMayer, der
Sechziger“,Nr.3, 18. Jänner1935,S. 2.
768 GustavMayers Aufnahmen von den Ereignissen rund umden Justizpalastbrand (DER BRAND
DES JUSTIZPALASTES INWIEN, DIE SCHRECKENSTAGE VONWIEN) zählen heute zu jenen Filmbildern, die
durchderen immerwiederkehrendeVerwendung inDokumentarfilmenoder auchbeiAusstellung
zuBildikonenderErstenRepublikavanciert sind.
8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 175
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur