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DieVielfalt dieser Produktionen zeigte sich auch inderenMachart– es finden
sich Sketchs,musikalischeWerbeeinlagen,Arbeitenmit Kulturfilmanmutung,Ani-
mationsfilme.784Nicht immerzeugtderAufbauderFilmevoneinerdramaturgischen
Logik, diemit derWerbebotschaft korreliert.Mitunter konstruiertman launige bzw.
bezaubernde Geschichten, denen eine Produktwerbung ans Ende gestellt wird. Der
FilmDIEWUNDERNACHT(A1936) isteinBeispieldafür.DerStreifenbeginntmitSchlag-
worten, die als Kaufargumente dienen:Vor einer stilisiertenUhr, derenMinutenzei-
ger sich zügig dreht, erscheinen die Losungen „Verantwortung“, „Vorsorge“ und
„Versicherung“. Der erste Buchstabe dieser Parolenwird vonMal zuMal ein Stück
größer, bewegt sich schließlich in dieMitte des Ziffernblatts und formiert sich zum
SignetderÖsterreichischenVersicherungsA.G. ZuFanfarenklängenwirddieAuffor-
derung„VersichernSie sichbeiderÖsterreichischenVersicherungsA.G.“eingeblen-
det. Der Kurzwerbefilm scheint geendet zu haben, die Fanfaren klingen ab.
Flötenklänge erklingen, ein schwungvoll geschriebener Titel kündigt DIE WUNDER-
NACHTan, rechtsuntenverweistdasSignet„MayerFilmWien“aufdenHersteller. Es
folgt ein märchenhafter, weihnachtlich gestimmter Animationsfilm, der in einem
schneebedeckten nächtlichenWald beginnt, wo Krähe und Rehkitz den einsamen
Forst bevölkern. Engel kommen geflogen, lassen Pakete in den Schnee fallen und
blasen schließlich ein Trompetensignal. In einem Baumstamm erscheint eine Tür,
Wichtelmänner auf Skiern eilen aus dem Inneren hervor. Sie nehmen jeweils ein
Päckchen indenArmundfahrenraschzueinembeschaulichenStädtchen. Ineinem
derHäuserwirdhaltgemacht.DieWichtelmännerplatzierendieGeschenke, bis sich
das Signet derÖsterreichischenVersicherungsA.G. formiert. DasMarkenzeichen er-
scheint letztlich in einem Lichtstrahl, einWichtel läutet ein Glöckchen, die Kerzen
amBaumnehmennun auchdie Formdes Firmenzeichens an. Die Animationwirkt
an dieser Stelle sehr unbeholfen und verfremdet. Der Hintergrundwirdweggeblen-
det, nur das Signet, dann auchder Firmenname sind zu sehen.DerOff-Kommentar
(gesprochenvonKarl Ziegelmayer) erläutert: „Das schönsteGeschenk fürDeineLie-
ben– sorgloseZukunftdurcheinePolizzebeiderÖsterreichischenVersicherungsA.
G.!“DerWerbefilmwirkt konstruiert– eine in sich schlüssige Geschichte, die etwa
mitWunsch- oder Schreckensbildern arbeitet und somit die Sinnhaftigkeit einer Po-
lizze erläutert, fehlt.Der fürdasWeihnachtsgeschäft inAuftraggegebeneWerbefilm
setztdenAnlass inkeinerleinachvollziehbareVerbindungmitdemProdukt.
Ähnlich verhält es sichmit dem für dieWienerGaswerkewerbendenFilmALLE
NEUNE (A 1938). Hier treffen fünf Freunde bei einemKegelabend zusammen. Einem
derMänner,Maxl, gelingt einMeisterschuss– er trifft alleNeune.Dasmuss gefeiert
werden, meinen die anderen, doch Maxl muss nach Hause, um einen Krach mit
784 Sketch z.B.: ERWEISS ALLES (A 1935, L: 40m),musikalischeWerbeeinlage z.B.: DAS BOHÈME-
QUARTETT IN: VIER VON DER TEGETTHOFFSTRASSE (A 1936, L: 70m), Kulturfilmanmutung: BERGE UND
BRETTLN (A1932,L:320m),Animationsfilmz.B.:DASHAMMERSCHLARAFFENLAND(A1937,L:80m).
178 8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,Organisation,Einflusssphären
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur