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Verkehrstreibens um die Rotunde wären ein Hinweis darauf –, kann nur speku-
liertwerden.
WährendEng,wieauchseineheimischenKollegender1920er-Jahre,aufdieLe-
getricktechnik setzte und eine reduzierte Strichzeichnung vorlegte,978 orientierte
sich das in den 1930er-Jahren aktive Animationsfilmduo Bruno Wozak und Karl
Thomas an den auch in Europa zunehmend bekannten Disney-Figuren. Beide
waren Jahrgang 1903 und hatten in Wien eine Ausbildung an der Akademie für
BildendeKünsteabsolviert,Wozak imBereichBildhauerei,Thomas inderFachrich-
tungGrafik undMalerei. Um 1935 begannen sie gemeinsam in einemTrickfilmstu-
dio in Wien Neubau zu arbeiten, 1941 endete ihre Arbeit kriegsbedingt. Beide
wurden zumMilitärdienst einberufen, Wozak starb 1944 in Montenegro, Thomas
setzt die Animationsfilmarbeit nach dem Tod seines Freundes und Kompagnons
nicht fort.979
Das StudioWozak/Thomaswurde 1938 von derWiener Bühne als künstlerisch
innovativesVorzeigeunternehmenvorgestellt.Hier setzteman längstaufFolienver-
fahren und Phasenkontrollen, was natürlich erscheinende Bewegungen nach sich
zog. Der Legetricktechnik hatte man in den 1930er-Jahren nach und nach abge-
schworen,„eckig, ruckartige“Abläufe„erregtenkeineFreude“mehr.980 IhranDis-
neyangelehnter Stil simplifiziertedieFiguren.KreisartigeKombinationenmachten
diese runder,weicher,aufDetailswurdeverzichtet.981
Wozak und Thomas arbeiteten nahezu ausschließlich für die Werbebranche982:
DIESPHINXBEIDERMORGENTOILETTE (A1934),DERRADIO-AUTOMAT (A1936),NURDIERUHE
(A 1936), DAS HAMMERBROT-SCHLARAFFENLAND (A 1937), EIN ORIENTALISCHESWUNDER (A
1937) zeugenvonderVielfalt derAuftraggeber,wiederholtwardasDuo fürdieProdu-
zenten Hans Ludwig Böhmund AdiMayer tätig. Auch international fand die Arbeit
derAnimationskünstlerAnklang: InNorwegen ist derWozak/Thomas-FilmTIDERKRE-
VEN(NOR1936),der für„TiedmannsTobaksfabrik“warb,erhaltengeblieben.983
Einiges spricht dafür, dass auch der FarbfilmNIKY (A 1937) aus derWerkstatt
derbeidenstammt–dergrafischeStil erinnert andasKünstlerduo.Eshandelt sich
hier um einen weiteren animiertenWerbefilm für die Österreichische Tabakregie.
Vermutlich blieb man seitens des heimischen Tabakmonopols bei den bereits
978 Bei Teilanimationen („Limitated Animation“) werden etwa nur die Augen oder Hände ani-
miert–alsoeinzelneKörperteile.DieBewegungenerscheinenabgehackt. ZumStilPeterEngssiehe
auch:Renoldner,AnimationsfilminÖsterreich– 1832,S. 72.
979 Ebd.,S.84,90.
980 DieWienerBühne,„AtelierWozak“, Juli 1938,S. 29.
981 Renoldner,AnimationsfilminÖsterreich,Teil 1,S.43.
982 EineAusnahmebildet CARMEN (A 1937/38)– eineOpernparodie. Eswar der Versuch, eine ei-
genständige Kurzfilmproduktion abseits der Reklameaufträge zu starten. Vgl.: Renoldner, Anima-
tionsfilminÖsterreich– 1832,S.88.
983 Ebd.,S.90. 9.3 Animationskunst 227
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur