Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Page - 229 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 229 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938

Image of the Page - 229 -

Image of the Page - 229 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938

Text of the Page - 229 -

weiterhinOrienttabakedieProduktion.987 ImHinblickauf eine inEuropaEndedes 19.undzuBeginndes 20. Jahrhunderts einsetzendeFaszination fürdenOrient ent- standen eine Reihe von Stereotypen-Bildern, die auf die Herkunft des Tabaks ver- wiesen. Pyramiden,Minarette, Ornamente, Szenerien aus „TausendundeinerNacht“ zähltenzudiesemVorstellungspool.988DieWerbetreibendensetztenbewusstaufden Wiedererkennungswert dieses „Bühnenorients“, wie es der Werbepsychologe und GrafikerderdeutschenZigarettenfabrikReemtsma,HansDomizlaff, treffendaufden Punktbrachte.989 DerWozak/Thomas-Film (aus der Produktionder „AdiMayer Film“) EIN ORIEN- TALISCHESWUNDER reiht sich indiesestandardisiertePräsentationdesMorgenlandes ein. Schon das Titelbild lässt mit drei gebogenen Palmen und einem amHimmel prangenden Sichelmond erste südlich exotische Assoziationen zu. Die für die Animation gewählte Szenerie zeigt eine architektonisch im Orient angesiedelte Stadt–Minarette, rundeGiebel, skizzierteMoscheenmitHalbmonden.Dazwischen platzierte Palmen sowie die begleitende orientalische Flötenmusik ergänzen das „südlicheFlair“. DieSzenerie entlangschreitet einMannmitTurban,PluderhoseundSchnabel- schuhen. Hinsichtlich Bild und Ton kommt die „Mickey-Mousing Technik“990 zur Anwendung. Jeder Schritt des Orientalen wird rhythmisch untermalt, Aktion und Musik laufensynchronunderzeugeneinenkomischenEffekt.Die langsamenBewe- gungen lassen den Schluss zu, dass die Figur schleicht, umsomehr, als sie sich ständig umschaut. Niemand scheint ihr zu folgen oder sie zu beobachten. Der Orientale hält vor einemHaus inne, er blickt die Hauswand hoch, holt eine Flöte hervor und beginnt zu spielen. Eine Schlange schleicht von links in das Bild, auf denOrientalen zu, sie schlängelt sich schließlich langsamnach oben. Das Kriech- tier hat mittlerweile die Form eines Stricks angenommen. Auf dem Flachdach ist eine hübsche junge Frau zu sehen, sie liegt völlig entspannt da, an ein Kissen 987 Ebd. sowie Benesch, Friedrich: 150 Jahre österreichische Tabakregie,Wien 1934, S. 22. Trost, Ernst: Rauchen für Österreich. Zur allgemeinen Erleichterung . . . Eine kultur- undWirtschaftsge- schichtedesTabaks inÖsterreich,Wien2003,S. 144. 988 Vgl. dazu: Jacobs,Tino/Schürmann,Sandra:Rauchsignale:StrukturellerWandelundvisuelle Strategien auf dem deutschen Zigarettenmarkt im 20. Jahrhundert, in: WerkstattGeschichte 45, Essen 2007, S. 41. Polaschegg, Andrea: Der andere Orientalismus. Regeln deutsch-morgenländi- scher Imaginationen im19. Jahrhundert,Berlin2004. 989 „Der deutscheVerbraucherwärewohl sehr erstaunt und enttäuscht gewesen,wenn er erfah- renhätte,dassderechte türkischeTabakbauer inGestalt,GesichtsschnittundLebensstildemEuro- päer viel mehr ähnelt als den deutschen Begriffsbildern von einem echten Orientalen“. Aus: Domizlaff, Hans: Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens. Ein Lehrbuch der Markentechnik, Hamburg1939/41.Zit.nach: Jacobs/Schürmann,Rauchsignale,S.45. 990 DasPrinzipgeht aufdie ZeichentrickfilmeWaltDisneys zurück,wonachBewegungenmitGe- räuschenbzw. Tönenabsolut synchrongesetztwerden. Eindurchaus ironischkomischerEffekt ist dieFolge.Vgl.:Mikunda,Kinospüren,Wien2002,S. 275. 9.3 Animationskunst 229
back to the  book Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Title
Der österreichische Werbefilm
Subtitle
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Author
Karin Moser
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
316
Keywords
Culture of memory, media history, advertising
Category
Kunst und Kultur
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Der österreichische Werbefilm