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jedochumösterreichischeHersteller handelt, ist nicht durchgehendverifizierbar.
Die bekannten Kurzfilmerzeuger sind zu identifizieren, doch auch in diesem
Zweigder Filmbranchehaben sichmitunterAutodidaktenanderHerstellungvon
Reklamefilmenversucht.1014
Belege für Werbefilmvorführungen finden sich vornehmlich für den Raum
Wien–wennauchunter all den bereits genanntenEinschränkungen. Für eine Er-
fassung der in ganz Österreich bzw. Österreich-Ungarn gelaufenen Werbefilme
wäreeineEinsichtnahme insämtlicheLandes-,Gemeinde-, Stadt-,Bezirks-undPo-
lizeiarchivenichtnur fürdenRaumderheutigenRepublik, sondern fürdieZeit der
Monarchie auch indenKronländern erforderlich. Ein derartigesUnterfangen kann
nur in einem groß angelegten, mehrjährigen (hinsichtlich der Periode bis 1918)
übereuropäischenForschungsprojekt geleistetwerden.Dabei ist zubedenken,dass
dieSammlungvon filmspezifischenAktenmaterialienvielenBehördenals vernach-
lässigbar erschien, manches dürfte auch hier schon vor Jahrzehnten der Skartie-
rungzumOpfergefallensein.1015
Das Genre „Werbefilm“ birgt aber im hier behandelten Zeitraum (bis 1938)
noch einweiteresProblem– eswar erst imEntstehen.Überweite Streckenhatten
Werbe-und Industrie(werbe)filme einen Mehrzweck zu erfüllen: Sie informierten
und belehrten, konnten als Lehr-,Werbe- oder Kulturfilme zumEinsatz kommen.
Demnach wären viele dieser Filme je nach aktuellem Einsatz einem dieser
Genres zuzuordnen.1016 Allein die Anzahl der Tourismuswerbefilme ist völlig un-
überschaubar.DieAkten,welchedieAktionendesÖLFDbelegen, zumZweckeder
Österreich-WerbungsämtlicheLandes-undBundesstellensowieFremdenverkehr-
seinrichtungen zu kontaktieren,1017 verweisen auf eine immense Zahl an Institu-
tionen, die entsprechende Streifen in Auftrag gegeben bzw. lagernd hatten.
Auszugsweise seienhiernur folgendeEinrichtungengenannt:„TirolerLandesver-
kehrsamt Innsbruck“, „Zillertaler Bahn– Direktion“, „Landesverband für Frem-
denverkehr Vorarlberg“, „Bauernkammer für Vorarlberg“, „Kammer für Arbeiter
1014 Vgl. dazu das Unterkapitel „Verband der Kurzfilmhersteller: Ausschaltung der Konkurrenz,
SicherungvonEinflusssphären,Eigenwerbung“.
1015 DieAutorinwar inden Jahren 2001bis 2003alswissenschaftlicheMitarbeiterinundab 2003
auch als Projektleiterin seitens der österreichischen Kooperationsseite im EU-Projekt „Collate“
tätig. „Collate“widmete sich Film-Zensuraktenbeständen der 1930er-Jahre in Deutschland, Öster-
reichundTschechien. ImZugedesProjekts konnte ein Zensurkartenbestand imNiederösterreichi-
schen Landesarchiv aufgearbeitet werden. Dieser Fund war durchaus außergewöhnlich. Diese
Zensurkarten galten für denRaumWien, Niederösterreich und das Burgenland, dochnur imNie-
derösterreichischemLandesarchiv hatten sie sich als Teil des Bestandes erhalten. http://www.col-
late.eu/welcome-to-collate/, 27.12.2016.
1016 VergleichedazudasKapitel „Belehren– informieren–werben:ForderungenandasMedium
(Industrie-)Werbefilm“.
1017 SiehedazudasUnterkapitel„Bildungs-undWerbefilm“.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur