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Erst derUmbruch 1918/19wurde dem in denKriegsjahren verstärkten ge-
sellschaftlichenWandel auchpolitisch gerecht unddasRechtsstudiumFrauen
zugänglichgemacht.
2. DieZulassungderFrauenzumRechtsstudium
MitdemAufstiegdesLiberalismusseitdenspäten1860erJahrenerfuhrauchdas
Bildungswesen etliche Reformen etwa mit dem Reichsvolksschulgesetz 1869
oderderAufhebungderKorporationsuniversitäten inWienundPragmitsamt
NeuregelungderRigorosenordnung1872unddemGesetzüberdieOrganisation
derUniversitätsbehörden1873. InKonsequenzzurrechtlich-organisatorischen
Liberalisierung setzte eine signifikanteZunahmevonStudierendenandenhö-
heren Schulen und Universitäten ein. Dadurch erreichte Österreich in den
JahrenvordemErstenWeltkriegbezogenaufdieBevölkerungsgrößediehöchste
Studierendenquote Europas.107Dass die Universitäten für diesen Andrang al-
lerdingswederausgestattetwarennochwurden,berichtetPaul Stefan in seiner
ChronikDasGrabinWien(1913):»DieUniversität inWien–undwiesaheserst
in den Ländern aus – hatte längst keinen Platz für ihre Hörer, und Boshafte
wünschten,dass einmalwirklichalleEingeschriebenen ihreVorlesungbesucht
hätten.«108
DerZustromandieUniversitätenhingauchmitdemBildungsbegehrender
Frauen zusammen, dieseswiederummit derdemographischenEntwicklung109
und ökonomischenNotwendigkeiten. DennFrauenwaren seit den 1860ern in
derMehrzahl und einigen daher das »Versorgungsinstitut Ehe« verschlossen;
zudem hatte der »Gründerkrach«, der Schwarze Freitag des Jahres 1873, vor
allemdenFrauenderbürgerlichenSchichtschmerzlichvorAugengeführt,dass
sie imGegensatz zudenArbeiterinnennichts gelernt hatten, das sie einsetzen
konnten,umdenErhaltderFamiliezubestreiten.110Soorganisiertensiesich in
Vereinen,umfürdieZulassungderFrauenzumUniversitätsstudiumzuwerben
und zu petitionieren. Einer der wichtigstenwar der 1888 inWien gegründete
Verein für erweiterte Frauenbildung, der auf die Einrichtung vonMädchen-
gymnasien drängte. Denn ein Gymnasialabschlussmitsamt Reifeprüfung bil-
detedieVoraussetzung für einUniversitätsstudium.DiegymnasialeMädchen-
schuledesVereins fürerweiterteFrauenbildungwurde1892eingerichtet; schon
1896tratendieerstenSchülerinnenamk.k. akademischenGymnasiuminWien,
107 Vgl. Stimmer,Habsburgermonarchie71.
108 Stefan,Grab10.
109 NäherHochstadt, Feminism541.
110 Vgl.Heindl, Frauenstudium22.
DasStudiumderRechtswissenschaften160
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik