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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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jener vonWenzelGleispach, der einhervorragendesBeispiel für dasVorurteil »Frauenstudium« präsentiert, gibt er doch implizit zu, nicht einmal Kenntnis der vorliegendenZahlen zuhaben: »DieAnzahl derordentlichenHörerweib- lichenGeschlechtes beträgt ungefähr fünfProzent derGesamtzahl der ordent- lichenHörer derWiener Juristenfakultät überhaupt, der größere Teil scheint sich demStudiumder Staatswissenschaften zuzuwenden; genau läßt sich das nichtfeststellen,weilleiderdie›eigentlichen‹JuristenunddieStaatswissenschaft Studierendennicht abgesondert gezähltwerden.«56 DieBezeichnung»Frauenstudium«hielt sichüberdie Jahrehinweghartnä- ckig, obwohl die Fakten kaumgenügendGrund für ein solchesUrteil liefern, sodassnurMutmaßungenangestelltwerdenkönnen: Solltemit dieserTitulie- rung vielleichtweniger eineAussageüber die tatsächlicheGeschlechtervertei- lunganderRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultätgetroffenalsvielmehr eine Abwertung intendiert werden – ebenso wie man vom »Billigdoktorat« sprach? Immerhin galt es, für die Absolventen der Rechtswissenschaften, die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt wenigstens durch üble Nachrede zu ent- schärfen.DenndieErsteRepublikwarErbineinesüberdimensionierten,dabei aber unterfinanziertenUniversitätssystems,was zu einerÜberproduktionvon unterbeschäftigtenTalenten führte, »weil die austerityPolitikderRegierungen derErstenRepublikeineAusweitungeinschlägigerBeschäftigungsmöglichkei- tenverhinderte.FürdieUniversitätenbedeutetediesePolitik,dasskeineneuen Stellen geschaffen wurden«57. Die expandierende Bildungsbeteiligung der Frauenverschärfteden–auchimmermehrantisemitischgeführten–Kampfum diewenigenuniversitärenPlanstellen58. WomöglichzeugtedieBezeichnung»Frauenstudium«schlichtnochvonden währenddesErstenWeltkrieges, imVorfeld der Einführungdes Staatswissen- schaftlichen Doktorats, erdachten Intentionen: Die unter anderem durch die weibliche Erwerbsarbeit während des Krieges erstarkte Frauenbewegung, die umsovehementer andieUniversitätendrängte, sollte ins Staatswissenschaftli- cheStudiumkanalisiertwerden.59 Naiv undgutenWillens könntemanaberdie Benennung»Frauenstudium« 56 Gleispach,RechtsstudiumderFrauen9. 57 Fleck,ArisierungderGebildeten234. 58 DiewirtschaftlichenundpolitischenKrisenjahrewarenvorallemeineKriseder Jugend,an denUniversitäten also eineKrise der umArbeit bangenden Studierenden sowie deswis- senschaftlichenNachwuchses.DaszeigtsichanschaulichinderStudentenschaft,diesichmit besonderem Enthusiasmus demAntisemitismus und schließlich Nationalsozialismus zu- wandte.Mit Blick aufDeutschlandmeint Faust, dass unter den Studierendendie »Macht- ergreifung« bereits eineinhalb Jahre vor 1933 stattgefunden habe (vgl. Faust, Studenten- bund). 59 Sieheoben165ff. DieStudierendenderStaatswissenschaften 199
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Title
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Authors
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2014
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
838
Category
Recht und Politik
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Library
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