Page - 225 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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rücksichtigung der Theorie der Grenzproduktivität bei den Professoren Hans
MayerundOthmarSpannpromoviert129.
Das IHS,diese»vonaußen«130aufdasuniversitäreBildungssystemwirkende
wissenschaftliche Einrichtung, beschleunigte fraglos den Prozess der Institu-
tionalisierung der Politikwissenschaft an den österreichischen Universitäten.
SohinwurdeinBGBl179/1966,§§3und4,die»WissenschaftvonderPolitik«als
Wahlfach vorgesehen und im selben Jahr dem I. Philosophischen Institut der
UniversitätWiendieLehrkanzel fürPhilosophiederPolitikund Ideologiekritik
zugewiesen,die1968mitdemdeutschenPolitologenHeinrichSchneiderbesetzt
wurde. Seitherhatte sichvorallemdiePhilosophischeFakultät derUniversität
Wien für die Einrichtung einer eigenen Studienrichtung Politikwissenschaft
eingesetzt. EntsprechendeAnträgewaren jedochvomMinisteriumwiederholt
abgelehntworden,unteranderemweil»dieErrichtungeinesInstitutsundeiner
Lehrkanzel für Politische Wissenschaft an der Philosophischen Fakultät die
InteressenderRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät berühre«131.
Die konservative, im Grunde wissenschafts-, weil kritikfeindliche Hoch-
schulpolitikderGroßenKoalitionmittels»AuswahlderVerläßlichen«(Kozlik),
die SPÖ-Mitgliedernund links Stehenden eineUniversitätskarrieremeist ver-
unmöglichte, fand erst durch die SP-Alleinregierung ein Ende, die 1970 das
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung schuf. Als (kombinati-
onspflichtige) Studienrichtung besteht die Politikwissenschaft daher erst seit
dem »Bundesgesetz über geistes- und naturwissenschaftliche Studienrichtun-
129 Vgl.RigorosenaktenStaatswissenschaftenUAW, JRASt252 sowieUAW,Promotionspro-
tokollM37.1,Bd.1,unterdemEintragNr. 200.OskarMorgenstern,geb.24. 1.1902Görlitz
[Zgorzelec],hatteinWien-HernalsdasBundesrealgymnasiumbesucht,wurdeimJuni1925
zumDr.rer.pol.promoviertundwaranschließendvonSeptember1925bisDezember1928
FellowderRockefellerFoundation.1929wurdeer fürPolitischeÖkonomiehabilitiertund
warseitdemStudienjahr1929/30Dozent,1935–38Professor(vgl.UAW,SenatS. 304.849);
neben seinerAusschussmitgliedschaft imVerein für Sozialpolitikwarer auchVorstands-
mitglied der Nationalökonomischen Gesellschaft und stand von 1930 bis 1938 dem
Österreichischen Institut für Konjunkturforschung vor. 1938 emigrierteMorgenstern in
die USA, wo er Professor in Princeton und Direktor des Economic Research Program
wurde.
130 DiefinanzielleInitiations-undHauptlastdesIHStrugdieFord-Foundation,weswegendas
Institut auch bald »Ford-Institut« genanntwurde. Die Foundationhatte als Geldgeberin
bedingungslos institutionellewie intellektuelleUnabhängigkeit des Instituts vonUniver-
sität und Politik eingefordert, was im »System Drimmel« (vgl. König, The »System
Drimmel«)WiderstandgegendieErrichtungdesIHSauslöste.DerzuständigeSektionschef
etwawitterte dahinter »einen bedenklichenEinfluss ausländischer Faktoren«, gegen den
aus »Sorge umdieösterreichischenHochschulenundumdie Erhaltung ihrer eigenstän-
digenAusbaufähigkeit für die Zukunft« zu opponieren sei (vgl. Raith,Wien darf nicht
Chicagowerden?!; zudenpolitischenWiderständen,diedemIHSentgegengebrachtwur-
den, instruktivFleck,WieNeuesnicht entsteht).
131 AktenvermerkdesVorstandesdesInstituts fürTheoriederPolitik,Wien,vom7.1.1972.–
Instruktivzur turbulentenVorgeschichtesiehe:Wicha,Politikwissenschaft inÖsterreich.
ErstesAddendum:DieAnfängederPolitikwissenschaft 225
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik