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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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erfolgte. Und darum gehört die Lehrerausbildung nicht an das Gymnasium, nicht andieRealschuleundnicht andieUniversität.«188 DieseArgumentationErnstSchwindsundseinerKollegenhielteinefundierte sozialwissenschaftliche und didaktische Ausbildung von den Hochschulen fern.189 Eine solche musste außeruniversitär, am Pädagogischen Institut der StadtWien,geleistetwerden.DasRoteWienrichtetedeshalbamPädagogischen Institut, das bislang nur der Fortbildung gewidmet gewesenwar, zweijährige »hochschulmäßige Lehrerausbildungskurse« ein, bei denen auchVertreter der Rechts- undStaatswissenschaftlichenFakultätmitwirkten, nämlichMaxAdler undHansKelsen.190 Mit jenen außeruniversitären Institutionen, die Forschung und Lehre der Universitäten herausforderten, wurde der Pluralismus der wissenschaftlichen Herangehensweisen bewusst gemacht, was etwa den deutschen Philosophen Fritz Heinemann zu folgendemverzweifeltenHilferuf veranlasste: »Heute er- lebenwirdieAuflösungallermythos-undreligionsgebundenen, autarkenund schulmäßigen Formen. Chaos undRichtungslosigkeit scheint das Signumder Zeit.HieKant,hieNietzsche,hieMarx,hieHegel,UntergangderWissenschaft, Lebensphilosophie, Mystik, Metaphysik, Phänomenologie – wie ein Jahr- marktsgeschreimischt sichderwüsteChorderStimmen.Es istwie einErdbe- ben,wodersichereHaltdesmütterlichenBodenssichlöstunddieMenschenwie aufgescheuchtesGeflügelwirrdurcheinanderrennenundniemandweiß,wohin er sich retten soll. Die Not ist groß.«191 Heinemann beschreibt treffend die Moderne und somit den Ausgangspunkt der nun einsetzendenVersuche, ein methodologischesSystem indieses »Jahrmarktsgeschrei« zubringen. Diese Unruhe in denWissenschaftenwar durch den ErstenWeltkrieg und insbesonderedurchdenpolitischenUmbruch1918nochmalsverstärktworden. Gerade in den Staats-,Wirtschafts- und Sozialwissenschaftenmusste dadurch nichtmehrnurübereigeneTheorienundMethodenreflektiertundumoffizielle Anerkennung gerungen werden, sondern auch der Gegenstand des Erkennt- nisinteresses neu definiert werden. In jene Zeit fiel imFrühjahr 1919 die Ein- richtungdes staatswissenschaftlichenDoktoratstudiums, das allerdings schon 1926(nununtereinemchristlichsozialenMinister)wiedernovelliertwurde.Die StaatswissenschaftenwarenjedochvonAnfanganschlechtaufgestelltgewesen: Siewarenzwaroffiziell irgendwieeigenständig(d.h.zumindesthinsichtlichdes Abschlusses alsDr. rer. pol.), personell unddamit auch inHinblick auf die zu lehrenden Inhalte undMethoden aber von jenen bestellt, die bereits im juris- 188 Ebd.13 f. 189 ZurWiener Universität und der Schulreformbewegung in den Jahren 1918–1934 siehe Stadler,Universität undSchulreform. 190 Siehedazunäher imKapitel »DasUmfeld der Fakultät. ExtraMuros«, unten Seite 701ff. 191 Heinemann,NeueWege. ErstesAddendum:DieAnfängederPolitikwissenschaft 243
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Title
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Authors
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2014
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
838
Category
Recht und Politik
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938