Page - 245 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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4. Rockefeller im»BreadandCheeseCountry«
WasdasInstitutfürHöhereStudien(IHS)ab1963mithilfederFordFoundation
inÖsterreich an außeruniversitärer Forschung in den BereichenÖkonomie,
Politikwissenschaft und Soziologie mit dem Schwerpunkt empirischer und
formalwissenschaftlicherMethodenaufVereinsbasiszuverwirklichensuchte,194
knüpfte dort an, wo die Bemühungen einer anderenUS-amerikanischen Stif-
tung,nämlichderRockefellerFoundation, rund30 Jahrezuvorgeendethatten:
SeitMitteder1920erJahrehattedieRockefellerFoundationeinerseitszahlreiche
talentierte Nachwuchswissenschafter/innen der Rechts- und Staatswissen-
schaftlichen Fakultät gefördert, die aufgrund ihres sozialwissenschaftlichen
FokuskeineAnstellunganderUniversität fanden,undsiemittelsadpersonam-
Stipendien für eine postgraduale Ausbildung im Ausland unterstützt (u.a.
Gottfried Haberler, Erich Hula und den späteren IHS-Mitbegründer Oskar
Morgenstern)195, andererseits vergab sie Institutional grants für extramurale
ForschungseinrichtungenwiedasWienerPsychologischeInstitutdesEhepaars
Bühleroderdas Institut fürKonjunkturforschungvonHayekundMises.Dabei
finanzierte sie insbesonders »realistische«Forschungundverstärkte somit die
ohnehin bereits »lebens- undwirklichkeitsnahe«, also empiriegeleitete, Rich-
tung früherösterreichischerSozialwissenschaft196.
LudwigMises, ausdessenPrivatseminarauffallendvieleRockefeller-Stipen-
diaten hervorgegangen waren und dessen Institut für Konjunkturforschung
1927 durch ein Institutional grant der Foundation gegründet und seither ge-
fördertwordenwar, arbeitete imSommer 1930 gemeinsammitAlfredFrancis
Prˇibram, dem österreichischen Vertrauensmann der Rockefeller Foundation,
einenVorschlag zurGründungeinesweiterenaußeruniversitärenForschungs-
vereins aus, nämlichdesViennese Institute for Social Studies, und legte seinen
Plander Stiftung vor.197 JohnVanSickle, direkterAnsprechpartner derÖster-
reicherbeiderFoundation, schriebüberMises’Gründungsinitiative anseinen
VorgesetzteninNewYorkdieaufschlussreichenWorte:»Inviewofthe lowlevel
194 ZumProgrammsowie zudenLehrenden jener frühen IHS-Jahre sieheUAW,Senat S. 234
ex1964/65.
195 Für eine vollständigeNamensliste derRockefeller Fellows derRechts- und Staatswissen-
schaftlichenFakultät sieheweiteroben indiesemKapitel (Seite 119ff.).
196 Diegeisteswissenschaftliche,konservativgeprägteRichtungderSoziologieentwickeltesich
andenUniversitätenweiter,z.B.beiOthmarSpann,AugustMariaKnoll,JohannSauteretc.,
konntedadurchdieZeitüberdauernundwar schließlichnachderVertreibungder empi-
rischen Soziologie auf lange Jahre die einzige Richtung der österreichischen Sozialwis-
senschaft.
197 Die folgenden Ausführungen basieren auf Forschungen von Fleck, Transatlantische
Bereicherungen167 ff.
ErstesAddendum:DieAnfängederPolitikwissenschaft 245
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik