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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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– wie genügend Beispiele zeigen – imstande ist, die Freiheit der Lehre und ForschungunddiestaatlicheOrdnungzugefährden,kannvonniemandem,der verantwortungsbewusstdenkt, gewünschtodergefördertwerden«219. DiefrüheösterreichischePolitikwissenschaftwarunterMitarbeitzahlreicher emigrierterAbsolvent/inn/enderWienerRechts-undStaatswissenschaftlichen FakultäthauptsächlichindenUSAweiterentwickeltworden220.Vondortkamsie späterinmodifizierterFormwieder221,alsderStaatswissenschaftsabsolventund Rockefeller-Stipendiat, Oskar Morgenstern, gemeinsam mit einem anderen ehemaligen Rockefeller-Fellow, Paul Lazarsfeld, in den 1960ernmit dem IHS wider die Innovationsaversion seitens desÖVP-geführtenMinisteriums einen neuenGrundstein für politikwissenschaftliche ForschungundLehre inÖster- reich legte.Die geistigeProvinz, diedasLand in jenen rund30 Jahren seit der Vertreibungder ersten Sozialwissenschafter/innen etabliert hatte, führte aller- dingsdazu,dass»[t]he first fewyearsof the Institute’s lifewereatotaldisaster. The […]general atmosphereof the Institutewas amixtureofBalkan intrigue, considerable graft and generally lacking in intellectual content«222. Die er- wähnten IntrigenundSchiebungen erwuchsen aus strukturellemProvinzialis- mus sowie aus den antidemokratischen und antiintellektuellen Kontinuitäten dernach1938 inWienverbliebenenWissenschafter/innenundderenSchüler/ innen. Letztere waren in einem antidiskursiven Klima erzogen worden und stellten nun denwissenschaftlichenNachwuchs, der Vorurteile tradierte, ins- besondere die Abwehr gegen alles »Fremde« wie das US-amerikanische »Ex- portprodukt« Politikwissenschaft. Dass diese »amerikanische Politologie« in vielen Bereichen eigentlich österreichisch geprägt war, wurde geflissentlich ignoriert beziehungsweise war oftmals gar nicht bekannt. Eine Auseinander- setzungmit der eigenen (Wissenschafts-) Geschichte musste von denÖster- reicher/inne/nals»erstenOpfernHitlers«langegarnichtunternommenwerden. Das Juristenmonopol (in der Politik überhaupt und ganz besonders in der Hochschulverwaltung) verstärkte nochmals die Abwehrhaltung gegen diese neuenPolitikwissenschafter/innendes IHS.Vor allemdie bisherigenösterrei- 219 NeuesForum,Heft197(2)1970,591.Siehedazuauch:Ehs,König,Wissenschaft vonder Politik. 220 Knoll spricht bzgl. der in den 1920ern entwickelten höchst praxisorientierten Sozialwis- senschaftpassendvoneinerWissenschaft,die»wieeinversandbereitesPaketzumExport nachdenUSAgeeignetwar« (Knoll, Sozialwissenschaften244). 221 ZumInterpretationsmusterder»RückkehrderPolitikwissenschaft in ihrUrsprungsland« siehe–allerdingsmitFokusaufdieBundesrepublikDeutschland–Bleek,Geschichte189: »VorallembeeinflusstesiedieGründungderPoliticalScienceindenUSAundistvondort nach siebzigjährigemExil, wenn auch inmodernererGestalt, nachDeutschland zurück- gekommen«. 222 PeterE.deJanosi,FinalEvaluation,10. 9. 1973,ArchivderFordFoundation,reel2574,zit.n. Fleck,WieNeuesnicht entsteht 153. ErstesAddendum:DieAnfängederPolitikwissenschaft 253
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Title
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Authors
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2014
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
838
Category
Recht und Politik
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938