Page - 258 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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innerhalb der Fakultät wurde 1929 eineKommission gebildet, derMayer,Hu-
gelmann, Degenfeld-Schonburg, Hold-Ferneck und Sperl angehörten und die
dafür plädierte, zunächst ein einschlägigesLektorat einzurichten. »Ein solcher
Kurs fürZeitungskundehätte aus zahlreichenWissensgebietenwieRechtswis-
senschaft, Volkswirtschaftslehre, Gesellschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre,
Sozialpolitik,AllgemeineStaatslehre,Statistik,Geographie,Organisationslehre,
Reklame,GeschichtederneuestenZeit,Politik,Parteiwesen,Literaturgeschichte
und Geschichte der Kunst u.a. eine Zusammenfassung zu der technischen
Einheitzugeben,die fürdieAnwendungdesWissens imjournalistischenBeruf
notwendig ist, und vor allemdasVerständnis für die Technik der Bildungder
öffentlichenMeinung imWegederTagespresse zu geben.«239Doch ließenwei-
tere, konkreteSchritte auf sichwarten.
RascherwardieHochschule fürWelthandel, diebereits 1931zweiLektorate
für Zeitungskunde einrichtete, worauf die ProfessorenMayer undDegenfeld-
Schonburg 1933 vorschlugen, dass einer der beidenLektoren,DDr.AlfredPe-
ters, auch an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät lehren sollte.
Peters stammte aus demRheinlandundhatte an verschiedenenUniversitäten
Soziologie, Zeitungswissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Philosophie, Psycho-
logie, Philologie undKunstwissenschaft studiert, bevor er den Lehrauftrag an
derWienerHochschule angenommen hatte. Er selbst schrieb 1939 in seinem
Lebenslauf,dassdieInitiative, ihmauchanderUniversitäteinenLehrauftragzu
geben, sowohl von der philosophischen als auch von der Rechts- und Staats-
wissenschaftlichenFakultät befürwortetwordenwar, aber »vonderdamaligen
österreich.Regierung (nachweislich240 auspolitischenGründen)«nicht geneh-
migtwurde, obwohl »dieVorlesungen gemäss einerAufforderungdesDekans
derstaatswissenschaftl. Fakultät (Prof.Verdross) schonangekündigtwaren.«241
Bis März 1938 erfolgten anscheinend keine weiteren Aktionen der Wiener
Rechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät aufdiesemGebiet.
Nachdem»Anschluss«allerdingsreichtePeterseinenHabilitationsantragfür
das Fach Soziologie bei derRechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät ein
undvergaßnunauchnichtzuerwähnen,dasserMitgliedderNSDAP,derSAund
desNS-Dozentenbundes sei (eswarenmöglicherweise dieseMitgliedschaften,
die 1933 seine Bemühungen um ein Lektorat an der Universität Wien zum
Scheitern gebracht hatten). Trotz teils recht scharfer Kritik imHabilitations-
verfahren242wurdePeters1940habilitiert243undhieltfortansowohlVorlesungen
239 Zit.nachdemAntragderProfessorenMayerundDegenfeld-Schonburgvom16.2.1933,zu
Z400/1930, inÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton608,Zeitungskunde.
240 Handschriftlichausgebessert von»wahrscheinlich« in»nachweislich«.
241 Lebenslauf von Alfred Peters, in:ÖStA AVA, Unterricht Allg., Univ.Wien, Karton 612,
PetersAlfred.
242 SchoninKöln,woPetersdenDr.habil.beantragthatte,hatte ihmProf.LeopoldvonWiese
DasStudiumderStaatswissenschaften258
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik