Page - 272 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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standekam.NachdemTodIvoPfaffs imAugust1925wurdedie romanistische
Lehrkanzel inGrazvakant.DerBerufungsvorschlagderFakultätsahprimoloco
Paul Koschaker, secundo et aequo locoWoess,Marian SanNicolû undArtur
Steinwenter,schließlichtertioetaequolocoEgonWeißundGeorgLautnervor,61
ernannt wurde schließlich Steinwenter. Im Laufe des nächsten Halbjahres
folgtenweitereBerufungen einerseits nachWien alsNachfolgerWlassaks und
andererseits nach Zürich als Nachfolger Andreas vonThurs. Der Besetzungs-
vorschlagderWienerFakultät inWiennannteanerster StelleLeopoldWenger
undPaulKoschaker, an zweiter Stelle FriedrichWoess. »DasErgebnis dermit
den beiden erstgenannten Gelehrten gepflogenen Berufungsverhandlungen-
blieb [sic!] negativ.«62Woess hingegen nahm dasWiener Ordinariat an und
lehntedieProfessurinZürichab,63 inWienbliebertrotzeinigerVersuchungen–
so wurde er 1926 als NachfolgerWengers nachMünchen gelockt64 und 1932
bekamereinenRufnachKönigsberg–bis zu seinemTode.
Seine Vorlesungstätigkeit als Ordinarius inWien eröffneteWoess mit der
Antrittsvorlesung»Das römischeErbe« imSommersemester 1926. ImWinter-
semester 1926/27 bot er neben einemSeminar für Fortgeschrittene und einer
Pflichtübung aus römischemRecht, eine Vorlesung zur römischen Rechtsge-
schichtemit Fokus auf Verfassung, Quellen und Zivilprozess an. Ab dem fol-
genden Sommersemester bis zu seinemTod 1933 hatWoess in den Sommer-
semestern stets eine sechsstündige Vorlesung »Deutsches bürgerliches Recht,
I.Teil:AllgemeineLehren (auf gemeinrechtlicherGrundlage)«undeine roma-
nistische Pflichtübung gehalten. In denWintersemestern umfasste sein Lehr-
veranstaltungsangebot eine sechsstündigeVorlesung zu den Institutionen des
römischenRechts,einSeminarundeinePflichtübung.ZuWoessalsLehrenden
findet sich eine Bemerkung in der Selbstdarstellung vonWalter Ullmann. Er
erinnertesichganzbesondersanWoess,deraufihneinen»tiefenEindruck[…]
durchseinemarkante,scharfgeschliffene,präziseundprofilierteDarstellungder
Institutionen«machte. »Nach so vielen Jahrenhöre ich nochheute die einlei-
tendenWorteseinererstenVorlesung: ›Die InstitutionendesrömischenRechts
FreundschaftzwischenErnstRabelundWoesszeigtsichu.a. inRabelskurzemNachrufauf
Woess inderZRGRA1933 (53)656.
61 UAGraz, Jur.Dek.1925/26, 464ex1925/26.
62 ReferentenentwurfzurWiederbesetzungderLehrkanzelfürrömischesRechtzuZ4735-I/26,
ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton608,Rechts-undStaatswissenschaften.
63 Entschließung des Bundespräsidenten vom16.3. 1926,ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.
Wien,Karton615,PersonalaktWoessFriedrich.
64 Woess konnte sich durch geschickteVerhandlungen für dasVerblieben inWien eine Per-
sonalzulage sichern. Schönbauer, Friedrich v.Woess 237; EntschließungdesBundesprä-
sidenten vom4.7.1927,ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.Wien, Karton 615, Personalakt
WoessFriedrich. Die
rechtshistorischenFächer272
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik