Page - 285 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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siums im3.Bezirk studierte erRechts-undStaatswissenschaften, sowiePhilo-
sophie und Archäologie. ImMärz 1906 wurde er zum JDr. promoviert, an-
schließend folgten der richterliche Vorbereitungsdienst und einige Jahre als
Verwaltungsjurist an der Finanzprokuratur und imFinanzministerium. Seine
erste Lehrerfahrung hatte Leifer wohl an der k.k. Theresianischen Akademie
gemacht,woerzwischen1912und1914als Juristenpräfekt fürrömischesRecht
tätigwar.LeiferbildetesichbeiLudwigMitteisinLeipzigfort,1917erfolgtedann
dieHabilitationmit der 1914verfasstenSchrift »DieEinheit desGewaltgedan-
kens im römischen Staatsrecht« an derWiener Fakultät. Ab dem Sommerse-
mester1919hieltLeiferLehrveranstaltungenander juridischenFakultät,neben
den obligat vorgesehenen Vorlesungen zur Geschichte des römischen Rechts
und demmateriellen römischenRecht, hielt Leifer Pflichtübungen, aber auch
Repetitorien und Spezialkollegienwie bspw. »Wesen und Schicksal der repu-
blikanischenStaatsform imaltenRom«, »IndividualistischeRechtsgrundlagen
desrömischenunddesmodernenWirtschaftsverkehrs«und»Einführungindie
Papyruskunde«. ImSommersemester 1922musste sichLeifer vorderDiszipli-
narkommission der Universität Wien verantworten. Nach Beschwerden von
Studierenden, er habe die Lehrveranstaltungen nicht in angekündigter Länge
abgehalten, wurde Leifer nach einer Disziplinaruntersuchung eines Diszipli-
narvergehens schuldig gesprochen.150 Bereits Anfang 1922 war Leifer als Be-
amter in den Ruhestand getreten »um sich fortan ausschließlich derWissen-
schaft zu widmen«.151 1935 wurde Leifer der Titel eines außerordentlichen
Professorsverliehen.152InderForschungbeschäftigtesichLeifermitdemälteren
römischen Recht, was zu seiner Ernennung zum ordentlichen Mitglied des
etruskologischen Institutes in Florenz 1934 führte.Weiters publizierte er Ar-
beiten zumÄmterwesen in der Antike und zu römischen Schuld- und Haf-
tungsproblemen.153 1936 referierte Leifer auf dem fünften Deutschen Rechts-
historikertag in Tübingen zu »Bürgschaft und Wette im altrömischen und
deutschenBrauchtum«.Nachdem»Anschluß«verbesserte sich seineSituation
kurzfristig – so stellte er einemAufnahmeantrag indieNSDAP,übernahmdie
LehrveranstaltungendesvertriebenenExtraordinarius’Brassloffundwurde im
November 1939 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Aufgrund seiner
nicht rein »arischen« Abstammung sah sich Leifer jedoch gezwungen, seine
Professurniederzulegen.Nach1945nahmLeiferseineLehrtätigkeitwiederauf.
Er starbam5.August 1957 inWien.
149 Kreller, Leifer62.
150 Vgl. dazu83f.
151 Kreller, Leifer63.
152 BMUEvom29.1. 1935,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton611, Personalakt
LeiferFranz.
153 Vgl. Leifer,Ämterwesen;Leifer,Mancipiumundauctoritas.
RömischesRecht 285
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik