Page - 304 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Alexander G l262 kam am 17.Mai 1881 als Sohn eines Arztes in Kaschau
[Kosˇice/SK] zurWelt. Er hatte gemeinsammit Kelsen, Mayer undMises am
Akademischen Gymnasium maturiert und an der Universität Wien die
Rechtswissenschaftenstudiert.NachseinerPromotionam10.Mai1905ginger
zunächst in die niederösterreichische Finanzlandesdirektion, wechselte aber
1924 von dort in den Industriellenbund, wo er Sekretär in der Abteilung für
österreichischeTextilindustriewurde.NochalsStudent,1904,veröffentlichteer
eine erste rechtshistorischeMonographie zur Geschichte des Erbrechts, die –
vermutlichüberVermittlungSchwinds,beidemersich imVorwortbedankte–
inder renommierten, vonOttov.GierkeherausgegebenenSchriftenreihe»Un-
tersuchungen zur Deutschen Staats- und Rechtsgeschichte« erschien.263 1908
erlangteG l einReisestipendium,mitdemernachBonnzuUlrichStutz fuhr;
ihmwidmete er zwei Jahre später die in Bonn begonnene Arbeit über »Die
Prozessbeilegung nach den fränkischenUrkunden des VII.-X. Jahrhunderts«,
die erneut inGierkes »Untersuchungen« erschien, undmit der er sich 1911an
derUniversitätWienfürDeutschesRechthabilitierte.264»AlsseineLebensarbeit
kannmandieEdition›DiesummalegumbrevisetutilisdessogenanntenDoctor
Raymundus von Wiener Neustadt‹,265 Weimar 1926, bezeichnen.«266 Dieses
Rechtsbuch stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert, wobei sowohl die
Identität seinesVerfasserswie auchsonstdieUmstände seinerEntstehungun-
klar sind; möglicherweise kamRaymund (dessen Bezug zuWiener Neustadt
fraglich ist) gemeinsammit den angevinischenKönigenvonNeapel nachUn-
garn, zumal esBezüge zu italienischenStadtrechtenaufwies, aber vorallem in
ungarischenStädtenverbreitetwar.267MitderbisheutenichtüberholtenEdition
hat sichG
l ein bleibendesVerdienst für die Rechtsgeschichte erworben. Der
NachrufLentzes aufG l gibt zurVermutungAnlass, dass sichG lHoffnungen
daraufmachte, mit seiner Edition eine Professur an der UniversitätWien zu
erhalten– eineHoffnung, die er,wenn sie bestand,mit derErnennungHugel-
manns1924aufgebenmusste.Doches solltenoch schlimmerkommen: »Nach
demUmbruch [1938] bin ich zumMischling I. Grades erklärt worden, da ich
mangels vonDokumenten denAbstammungsnachweis für die väterliche Seite
nicht führenkonnte.DieshattezurFolge,dass ichimApril1938meineStellung
anderUniversitätundimNovember1938meineStellungimIndustriellenbund
verloren habe«, berichtete der 1903 aus der Israelitischen Kultusgemeinde
262 17.5. 1881–25.4. 1958; vgl. UAW, J PA 306. Lentze, Alexander G l; Olechowski,
Rechtsgermanistik90.
263 Gál,Ascendenten.
264 Gál, Prozessbeilegung.
265 Gál, Summa legum.
266 Lentze,G l 550.
267 Ogris,RaymundvonWienerNeustadt. Die
rechtshistorischenFächer304
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik