Page - 306 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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f) KarlGottfriedHugelmann
KarlGottfriedHugelmann275warder SohndesnachmaligenPräsidialsekretärs
beim k.k. Reichsgericht Karl Hugelmann, der bereits mit rechtshistorischen
Publikationenhervorgetretenwar.276WieseinVaterbegannauchKarlGottfried
mit demStudiumderRechtswissenschaften, das er –nach einemSemester an
derUniversität Tübingen – inWienmit der Promotion am28.März 1905 ab-
schloss, und absolvierte überdies das Institut fürÖsterreichischeGeschichts-
forschung,wo er eineAbschlussarbeitüberdieWahlKaiserHeinrichs IV. ver-
fasste.277Er schlug zunächst dieRichterlaufbahn ein, habilitierte sichdaneben
aber 1909mit einer Arbeit über »Die deutsche Königswahl im Corpus Iuris
Canonici«278 fürDeutschesRecht.279
Hugelmann verfasste in der Folge Arbeiten zur Rechtsgeschichte, zumZi-
vilrecht(diewohlausseinerrichterlichenTätigkeitentsprangen),aberauchzum
Verfassungsrecht, wie insbesondere zum monarchischen Prinzip.280 Letztere
dürfte ausschlaggebenddafür gewesen sein, dassdieFakultät im Juni 1917be-
schloss,dieveniaHugelmannsauf»allgemeinesStaatsrecht«auszudehnen;nur
wenigeWochendavor, am7.Mai 1917, war ihmderTitel eines ao. Professors
zuerkannt worden.1918 wechselte Hugelmann vom Bezirksgericht Kloster-
neuburg in das kurz zuvor gegründete k.k.Ministerium für Volksgesundheit
undblieb indiesembzw. in seinenNachfolgeinstitutionenbis 1924, als er »ad
personam« zum ao. Professor der Rechts- und Staatswissenschaften ernannt
wurde.281DieProfessorenMenzel, Schwind,Voltelini undKöstler, die den ent-
sprechenden Antrag gestellt hatten, hatten dies mit der hohen Qualität von
HugelmannswissenschaftlichenLeistungenbegründet, und zugleichbemerkt,
dass er auchdort größteObjektivitätwalten lasse,wosich seineArbeitendem
politischenGebiet nähern; auchwurde es als »Lieblingswunsch«Hugelmanns
bezeichnet, »sich ganz dem akademischen Berufe zuwidmen«.282 Seine Lehr-
275 26.9. 1879–1.10. 1959.EineAutobiographie,datiert 25. 1. 1945,befindet sich in:AÖAW,
PersonalaktKarlGottfriedHugelmann.Vgl. fernerWegener,KarlGottfriedHugelmann;
WilhelmWegener,HugelmannKarl, in:NDBX(Berlin 1974) 9 f.; Schönbauer,Hugel-
mann;Steveling, Juristen inMünster, insbes. 413–431.
276 Vgl. insbes.Hugelmann (sen),ÖsterreichischeLandtage.
277 Hugelmann,WahlHeinrichs IV.
278 Hugelmann,Königswahl.
279 Eigenhändiger Lebenslauf vom 24.12. 1908,ÖStA AVA, Unterricht Allg., Univ. Wien,
Karton611,PersonalaktHugelmannKarlGottfried.
280 Hugelmann,MonarchischesPrinzip.
281 EntschließungdesBundespräsidentenvom28.6. 1924, intimiert durchBMUEvom14.7.
1924,ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.Wien, Karton 611, PersonalaktHugelmannKarl
Gottfried,Z15829–5/2ex1924.
282 BerichtdesDekansandasBMUvom21.3.1924Z1015/1923,in:ÖStAAVA,Unterrichtallg.,
Univ.Wien,Karton608,Rechts-undStaatswissenschaften.
Die
rechtshistorischenFächer306
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik