Page - 322 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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ImJahresberichtdes I. StaatsgymnasiumsscheintKöstlermit einer sechsstün-
digenLehrveranstaltung imSchuljahr1905/06auf.366
Seine erstenEindrückebei derPost schilderteKöstlerwie folgt: »DerPost-
dienst kammir zunächst schrecklich öde vor, was mich aber reizte, war die
Tatsache, daß das Postrecht in Österreich so gut wie gar nicht und in
Deutschland und in der Schweiz nur ganz unzulänglich behandelt war.«367
DiesenUmstandnützteKöstlerausundspezialisiertesichimLaufederJahre in
diesemRechtsgebiet.UmsichzudiesemZweckwissenschaftlichWeiterzubilden
besuchteerdasöffentlich-rechtlicheSeminarbeiFranzHaukeundJosefLukas,
was inweiterer Folge zu seiner Habilitierung führte: »Als der Kanonist Prof.
WaltervonHörmannzuHörbachdavonerfuhr, ludermichinseinSeminarein
und fragtemicheinesTages, ob ichmichnicht für seinFach interessierenund
habilitierenwollte.«368Abgesehen von derAnregung schlugHörmannKöstler
aucheinHabilitationsthemavor»DieväterlicheEhebewilligung«.Mithilfeeines
StudienstipendiumsverbrachteKöstlerdas Studienjahr 1908/09unddasSom-
mersemester1910beiAloysSchulteundUlrichStutz369inBonn,beidemer»sehr
viel […], nicht nur an Fachwissen, sondern auch an Technik des wissen-
schaftlichen Arbeitens«370 gelernt hatte.371 Bereits im Sommersemester 1908
habilitierte sichKöstler fürKirchenrecht und im folgendenSemestermit dem
Werk »Muntgewalt und Ehebewilligung in ihremVerhältnis zueinander nach
langobardischem und nach fränkischem Recht«372 für Deutsches Recht in
Czernowitz. Er wurde Prüfungskommissär bei der Rechtshistorischen Staats-
prüfung und bekam am 4.April 1912 den Titel eines außerordentlichen Pro-
fessors verliehen.373Auch imPostdienst taten sichMöglichkeiten auf: »Meine
Sprachkenntnisse hättenmir eineEinberufung indie internationaleAbteilung
der Generalpostdirektion im Handelsministerium eingetragen. Die Verhand-
lungen zerschlugen sich jedoch, da ich auf meine Dozentur hätte verzichten
müssen.«3741908wurdedie kirchenrechtlicheLehrkanzel inCzernowitz durch
denAbgangHörmanns nach Innsbruck vakant. Gerne hätteHörmann seinen
366 Jahresberichte des k.k. I. Staatsgymnasiums inCzernowitz, online: [http://www.pbc.rzes
zow.pl/dlibra/publication?id=2622&from=&dirids=1&tab=1&lp=2&QI= – abgerufen
18.12. 2013].
367 Köstler, Selbstdarstellung94.
368 Köstler, Selbstdarstellung94.
369 ZurBeziehungKöstler zuStutzvgl.Grass,RudolfKöstlerundUlrichStutz.
370 Köstler, Selbstdarstellung95.
371 In seinem Lebenslauf vom 21.7. 1945 gibt Köstler an das »Schuljahr 1907/08 und das
Sommersemester1910« inBonnverbrachtzuhaben.Vgl.UAW,JPA341(RudolfKöstler),
061.
372 Köstler,MuntgewaltundEhebewilligung.
373 Lebenslauf,AÖAW,PersonalaktRudolfKöstler.
374 Lebenslauf,AÖAW,PersonalaktRudolfKöstler. Die
rechtshistorischenFächer322
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik