Page - 332 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Schwind.445AlsWalter vonHörmannzuHörbach 1908 vonCzernowitz andie
Universität in Innsbruck berufenwurde, wurde Leder nebenUlrich Lampert,
JosefEbers,KarlRothenbücher,JosephFreisenundRudolfKöstleralsmöglicher
Nachfolger erwogen. Stutz unterstützte seineBerufungund lobte seineArbeit,
auchwennereinigeKritikpunktezuLedersHabilitationsschriftanfügte:»Soist
das Buch in manchem zu breit, in der Sprache stellenweise fast unwissen-
schaftlichblühendundüberall verrät sichderAutodidakt.«446
1909wurdeLederzumaußerordentlichenProfessorinCzernowitzernannt.447
1910 erfolgte die Ernennung zum ordentlichen Professor. 1914 bis 1919 war
LederDekanderCzernowitzer Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät.
Nach der Rumänisierung derUniversität zog Leder nachWien,448wo er 1919
erfolgreich um die Erneuerung seiner Lehrbefugnis ansuchte. Ab dem Som-
mersemester 1920 las Leder als Privatdozent an der Universität Wien. Sein
Vorlesungsprogrammumfasste stets eine fünfstündigeLehrveranstaltung zum
Kirchenrecht im Sommersemester. Daneben bot er gelegentlich ein kirchen-
rechtlichesSeminaran.Weitershielt erVorlesungenzumkirchlichenEherecht,
zur Geschichte des Kirchenrechts und zur Rechtsnatur und gesellschaftlichen
Grundlage desKirchenrechts.Vereinzelt bot er auchPflichtübungen zumKir-
chenrecht an. Leder warMitglied der rechtshistorischen Staatsprüfungskom-
mission.Wissenschaftlich beschäftigte er sich vor allemmit Studien »ältester
kirchenrechtlicher Quellen und dem Urchristentum«.449 In seinen Arbeiten
wandte er sichumstrittenen, kontroversiellenThemenzuundmachte sichda-
durchnicht nurBefürworter, sondernauchGegner. SeinWerkzurEntstehung
desKatholizismus griff eine Kontroverse zwischen demprotestantischenKir-
chenrechtlerRudolf Sohmunddemgleichfalls protestantischenKirchenhisto-
rikerAdolf vonHarnackauf: »Leder folgt daraus, daßnunmehr auchdiepro-
testantischeLehre,wenngleich sie es ausdrücklichnicht zugebenwill, sichder
katholischennähert,wonachdieKirchevonAnfanganeineallerdings lücken-
hafteRechtsordnungbesessenhat,mithinkatholischwar.«450Mit seiner Streit-
schrift gegenGregor vonHankiewicz451machte er sich selbst beiUlrich Stutz,
445 SchreibendesDekansSchrutkaandasUnterrichtsministeriumvom22.2.1906,ÖStAAVA,
UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton611,PersonalaktLederPaulAugust.
446 BriefStutz’anFerdinandKoglervom29.11.1908,Grass,RudolfKöstlerundUlrichStutz
248.
447 Grass, Rudolf Köstler undUlrich Stutz 251. Hussarek, der zu diesemZeitpunkt Sekti-
onschef imUnterrichtsministeriumwar, zeigte sich einwenig skeptischundhoffte »daß
Lederdasdamit in ihngesetzteVertrauen rechtfertigenundbalddurcheineArbeit seine
volleQualität erweisenwird.«
448 Vgl. dazu650–654.
449 BrigitteBöck, LederAugustPaul, in:ÖBLV(Wien1972)80.
450 Köstler,NachrufLeder29.
451 Leder, AchtVorträgeüber das älteste Synodalrecht der päpstlichenGerichtshoheit. Der
Die
rechtshistorischenFächer332
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik