Page - 338 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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dasSommersemester1938kündigteerüberdieseineVorlesungzurkirchlichen
RechtsgeschichteÖsterreichsund zumRecht derOstkirchen an.Dochkamer
nicht dazu, diese Lehrveranstaltung zu halten, da er nach dem »Anschluß«
entlassen,485vonderGestapoverhörtundverhaftetwurde.4861939 flüchteteerin
dieNiederlandeundunterrichtetedortanderUniversitätNijmegen,nacheiner
Zwischenstation in Paris reiste er in die USA, wo er ab 1941 an der Catholic
University inWashingtonunterrichtete.An seinenverschiedenenStationen in
derEmigrationengagiertesichPlöchl fürdieErrichtungeinerExilregierungfür
Österreich–oftmachteersichdurchseineAktionenbeidenanderenAkteuren
derösterreichischenExilszene(beispielsweise.Otto(von)Habsburg,HansRott)
nicht beliebt.487Umgekehrt scheiterte z.B. eine – von ihmselbst angestrebte –
Indienststellung Plöchls als Informant desOSS (Vorläufer der CIA) an seinen
bekanntengenBeziehungenzu»ArchdukeOtto«.488
1948kehrtePlöchlnachWienzurück,woer zunächst als außerordentlicher
Professorundab1949bis zu seinerEmeritierung1977alsNachfolgerKöstlers
alsordentlicherProfessoranderWienerjuridischenFakultätunterrichtete.Von
der fachlichenAnerkennungPlöchls zeugenviele verschiedeneEhrungenu.a.
dieWahlzumkorrespondierendenMitgliedderÖsterreichischenAkademieder
Wissenschaften1973.489Am27.Mai1984 starbPlöchl.
3. DieuniversitäreLehre1918–1939
a) Allgemeines
Das Kirchenrecht hatte nach der Studienordnung von 1893 sieben Semester-
stunden, die davor gültige Studienordnung aus 1855 sah noch acht Semester-
stundenvor.Die Studienordnungvon1935beließ es beimUmfangvon sieben
Wochenstunden,docherfolgtenuneineÄnderung inderAufteilungderLehr-
veranstaltungen. Sowurde bis 1936 nahezu jedes Semester eine fünfstündige
Vorlesungzum»Kirchenrecht«gehalten (aufdie InhaltedieserVorlesungwird
nochweiter unten eingegangen), zusätzlich aber noch eine zweistündige zum
österreichischen Staatskirchenrecht und/oder zumkatholischenEherecht und
485 Plöchl schreibt in seinenErinnerungen, zudemvomGestapobeamten angegebenenEnt-
lassungsgrund: »Sie sind ein Kirchenrechtler, sie sind ein weltfremder Trottel.« Vgl.
Pototschnig, Plöchl 224.
486 Schima, Flüchtling–Mitläufer–Überzeugungstäter? 133.
487 ZuPlöchlsVersuchen eine Exilregierung zu errichten vgl. Plöchl,Willibald Plöchl und
OttoHabsburg indenUSA.
488 U.S.NationalArchives,CollegeParkMaryland,RG226OSSE92Box203,Folder37.
489 EineÜbersichtseinerAnerkennungenfindetsichinRichardPotz,Plöchl,WillibaldMaria,
in:NDBXX(Berlin2001)545 f. Die
rechtshistorischenFächer338
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik