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Der Forschungsschwerpunkt von Lenhoff lag definitiv imArbeitsrecht. So
warbereitsseineHabilitationsschrift indiesemGebietangesiedelt,aberauchin
den folgenden Jahren folgten literarische Auseinandersetzungenmit arbeits-
rechtlichen Problemen nicht nur in der österreichischen Rechtsordnung,175
sondern auch im internationalen Bereich.176Daneben behandelte er verschie-
deneBereichedesZivilrechtes:Erpublizierteu.a.eineStudiezurAuflösungder
EheundderWiederverehelichung,177wieauchmehrereBeiträge imBereichdes
Handels- undWechselrechts. Nähere Betrachtung schenkte er auch den Vor-
schriftenbetreffendseinenBroterwerb–denRechtsanwaltsberuf: Soreferierte
er am 7. Kongress der Union Internationale des Avocats 1936 über die Versi-
cherunggegendieBerufshaftpflichtdesAdvokaten.178
Auch in der Lehre zeigen sich Lenhoffs vielfältige Interessen innerhalb des
Privatrechts: Seine Lehrveranstaltungen reichen vom österreichischen Urhe-
berrecht, über das Erbrecht zum österreichischen Familienrecht und Grund-
buchs- undHypothekenrecht. Sie spiegeln zumTeil auch seine aktuellen For-
schungsvorhaben, so bot er nach der Veröffentlichung seines Buches zum
Eherecht verstärkt Lehrveranstaltungen zu diesem Thema an: ImWinterse-
mester 1926/27 lehrte er das »Eherecht«, im Sommersemester 1927 die »Auf-
lösbarkeit undAuflösungder Ehe«, imWintersemester 1927/28 das »Eheliche
Güterrecht« und im Sommersemester 1928 die »Hauptprobleme der Ehe und
ihrewirtschaftlicheStruktur«.AntagespolitischenThemenbrachteerbspw. im
Wintersemester 1921/22 eine Lehrveranstaltungüber »Die Schwankungen des
Geldwerts und ihre privatrechtlicheBedeutung«. Einenweiteren Schwerpunkt
legte er auch auf dasArbeitsrecht: Er hielt Vorlesungen zum österreichischen
Arbeitsrecht (Wintersemester 1922/23), zu denHauptproblemendes österrei-
chischen Arbeitsrechts (Wintersemester 1923/24) und desÖfterenÜbungen
zumArbeitsrecht.
Als Rechtsanwalt vertrat Lenhoff im autoritären Ständestaat oftmals Sozia-
listen vor Gericht, was ihn »in Regierungskreisen […] politisch suspekt er-
scheinen«ließ.179ErengagiertesichjedochauchinregierungsnaheAktivitäten–
so war er gemeinsam mit Erich Hula Mitglied einer von Bundeskanzler
Schuschnigg1937eingesetzten»KommissionzurSchaffungeineseinheitlichen
Arbeitsgesetzes«.180 ImMärz 1938 hielt sich Lenhoff in der Schweiz auf und
konnte er auch nicht an der letzten Sitzung vom 22.6. 1933 teilnehmen; vgl. Heller,
Verfassungsgerichtshof264.
175 Bspw.Lenhoff,Koalition;Lenhoff,Kollektivverträge.
176 SoLenhoff, ZwischenstaatlichesArbeitsrecht.
177 Lenhoff,AuflösungderEhe.
178 Dieser Vortrag wurde anschließend in den Juristischen Blättern abgedruckt: Lenhoff,
Versicherung.
179 Feichtinger,Wissenschaft zwischendenKulturen293.
180 Feichtinger,Wissenschaft zwischendenKulturen293Fn.6. Die
judiziellenFächer374
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik