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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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dafür aber von einer Reihe anderer prominenter Persönlichkeiten – darunter WilhelmEllenbogen,SigmundFreud,ArturSchnitzler,HermannSwobodaund StefanZweig–mitunterzeichnet,235hatteaberkeinenErfolg:Erst1971sollteder »Homosexuellenparagraph«ausdemStrafgesetz eliminiertwerden. ImNovember 1930nahm JosefHupka in einem langen, auf zwei Tagesaus- gaben aufgeteilten Zeitungsartikel in der »Neuen Freien Presse« zum »Fall Halsmann« Stellung.236Der Jude PhilippHalsmann, der viele Jahre später als »PhilippeHalsman«durchseinePhotographienWeltberühmtheiterlangte,war von einemGeschworenengericht in Innsbruck am 16.Dezember 1928 – und, nachdemderOGHdasUrteil kassiert hatte, erneut am19.Oktober 1929– für schuldigbefundenworden,seinenVaterbeieinerWandertour indenZillertaler Alpenermordetzuhaben.ImerstenProzesswurdeHalsmannvonRechtsanwalt RichardPreßburger ausWien, imzweitenvonRechtsanwalt FranzPessler aus Innsbruckverteidigt; dasgesamteVerfahrenstandunter starkantisemitischen VorzeichenunderregtedieÖffentlichkeit inhohemMaße.U.a.hattedasGericht eineReihevonpsychologischenGutachten,die vondenVerteidigernvorgelegt wordenwaren, ignoriert und stattdessendiemedizinische Fakultät Innsbruck umeinFakultätsgutachten ersucht,welchesHalsmann schwer belastete.Unter denKritikern des Fakultätsgutachtens befand sich u.a. SigmundFreud; zahl- reicheweitereprominentePersönlichkeitenwandtensichandieÖffentlichkeit, umgegendasäußerstproblematischeUrteilzuprotestieren.Am30.September 1930wurde PhilippHalsmann auf Vorschlag der (am selbenTag aus anderen Gründen zurückgetretenen) Regierung Schober vom Bundespräsidenten be- gnadigt.237HupkawürdigtedieBegnadigungalsdas»menschlichschönsteWerk derRegierungSchober«.Aber»dasUnglück,dasPhilippHalsmannwiderfahren ist, die Zerstörung seiner Jugenddurch dieQual und Schmach einer zweijäh- rigenGefängnissklaverei, kannkeineMachtwieder gutmachen.«238DieÖster- reichische Liga für Menschenrechte verglich den Prozess Halsmannmit der Affäre Dreyfus in Frankreich; sie veröffentlichte 1931 eine Broschüre, in der Pessler über den Prozesshergang berichtete undHupka die Beweiswürdigung durchdasGericht scharf kritisierte; Carl Brockhausen, der ebensowieHupka dem Beirat der Liga angehörte, verfasste ein Geleitwort.Wie Hupka, der bis dahinkeinerleiPublikationenzuStrafrechtverfassthatte, indieseRollekam,ist unklar. Jedenfalls zog er alle gegenHalsmann vorgebrachten Indizien – denn echteBeweise gab eskeine – inZweifel und teilte die vonderVerteidigung im 235 Arbeiter-ZeitungNr.134vom16.5. 1930, 2. 236 Hupka, Fiat iustitia. 237 Pessler,EinBilddesProzesses91.–DerStoffwurde2008mitPatrickSwayzeinderRolle desRichardPreßburgerverfilmt:»Jump!«(LWBMedia,2008;[http://www.imdb.com/title/ tt0816544–abgerufen18.12.2013]). 238 Hupka,DieNichtigkeitderUrteilsgrundlagen129. Die judiziellenFächer388
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Title
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Authors
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2014
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
838
Category
Recht und Politik
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938