Page - 389 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Prozess vorgebrachteAnsicht, dassHalsmannsVater von einer dritten, unbe-
kannten Person ermordet worden sei.239Das Innsbrucker Fakultätsgutachten
wurdevonHupka–sowievonFreud–alswidersprüchlichkritisiert,undHupka
hieltesauchfüreinen»derschwerstenMängeldesVerfahrens«,dassdasGericht
keine Psychologen einvernommen und die vorgelegten psychologischen Gut-
achten nicht zugelassen hatte.240 »Zusammenfassend und abschließend ist zu
sagen:JederSchuldspruchforderteinenSchuldbeweis.IndemvorliegendenFall
wardieEntscheidungüberdieSchuldaufeineeinzigeFrageabgestellt,dieeiner
selbständigenKlärung bedürftig schien. DasGericht hat diese FragemitUm-
gehungder eigentlichenFachleute einemKollegiumvorgelegt, das trotz seiner
hohen akademischenAutorität nicht die nächste sachlicheKompetenz für die
besondereFragebesaß.«241
1934 wurde Hupka in den Zentralvorstand derÖsterreichischen Liga für
Menschenrechtegewählt; seindortigesWirkenendete jähmitdem»Anschluß«
1938.Am22.April 1938wurdedermittlerweile 63-jährige zunächst beurlaubt
und anschließend in den vorzeitigen Ruhestand versetzt; am 31.März 1939
wurden ihmseineRuhegenüsse aberkannt.242SeinBankkontowurde schon im
Mai 1938 gesperrt, abNovember 1938 setzten intensive Bemühungen der Al-
bertina ein, diewertvolleKunstsammlungHupkas zuerwerben; imMärz 1939
sahsichHupkagezwungen,»DieHochzeitdesFigaro«umden–weitunterdem
wahrenWert liegenden – Betrag von 20.000 Reichsmark an die Städtischen
Sammlungen zu verkaufen.243Nachdem sein Sohn Robert und seine Tochter
Marie schon 1938 insAusland entkommen konnten, emigrierten JosefHupka
undseineFrauHermine (eineTochterdesKomponisten IgnazBrüll244) imAu-
gust 1939 in die Niederlande, wo sie in der kleinenOrtschaft Bilthoven nahe
UtrechteinevorläufigeBleibe fanden.NachdemaberauchdieNiederlandevon
deutschenTruppenbesetztwurden,wurden JosefundHermineHupka1944 in
das »Polizeiliche Judendurchgangslager«Westerbork in der Provinz Drenthe
und von dort am 5.April 1944 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Hier
starb Josef Hupka bereits am 23.April. In der 1947 erstellten Todeserklärung
wurdealsTodesursache »Herzleiden«vermerkt. SeineWitwewurde am9.Ok-
239 Hupka,DieNichtigkeitderUrteilsgrundlagen96.
240 Hupka,DieNichtigkeitderUrteilsgrundlagen117.
241 Hupka,DieNichtigkeitderUrteilsgrundlagen127.
242 Vetricek, Lehrer69;Meissel,Wedrac, StrategienderAnpassung55.
243 Siehe dazu auch den Fünften Bericht des amtsführenden Stadtrates für Kultur undWis-
senschaftüberdie gemäßdemGemeinderatsbeschluss vom29.April 1999 erfolgteÜber-
eignungvonKunst- undKulturgegenständenausdenSammlungenderMuseender Stadt
Wien sowie der Wiener Stadt- und Landesbibliothek [http://www.wienmuseum.at/fi
leadmin/user_upload/PDFs/Restitutionsbericht_2004.pdf – abgerufen 18.12.2013] 139–
148.
244 M.Klang,DiegeistigeElite 395;Vetricek, Lehrer69.
Handels- undWechselrecht 389
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik