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c) Wenzeslaus (von)Gleispach
Wenzeslaus (Wenzel) von Gleispach kam am 22.August 1876 als Sohn des
Grazer Oberlandesgerichtspräsidenten und späteren Justizministers Johann
NepomukvonGleispach413unddessenGattinAntonia, geb.Batthy ny, inGraz
zurWelt.Von1886bis1894besuchteerdasStaatsgymnasiuminGraz,studierte
anschließend inGraz undWien von 1894 bis 1898Rechtswissenschaften und
promovierte inWien imDezember1899.414Bereits 1898begannGleispach sei-
nen richterlichenVorbereitungsdienst inGraz.Ab1900warerderStrafrechts-
abteilung des Justizministeriums zugeteilt, wo er bereits erste legistische Er-
fahrungenbei denArbeiten zumösterreichischenStrafrechtsentwurf sammel-
te.415Zwei Jahrespäterwurdeer (offenbarohneHabilitation)416»zumProfessor
desStrafrechtes,ZivilprozessesundKonkursrechtesandieUniversitätFreiburg
in der Schweiz berufen«,417 und zwar als Nachfolger des nachCzernowitz be-
rufenenAdolfLenz.418ImMai1903ginger»eineNeigungsehemiteinerSängerin
desGrazerLandestheaters«,419MarieRosenkranz ein, imAugust 1904kamdie
gemeinsameTochterMariazurWelt.420AlsderPragerStrafrechtsprofessorHans
Gross 1905 an dieUniversität Graz berufenwurde, wurdeGleispach imMärz
1906 zunächst zum außerordentlichen, im Oktober 1907 zum ordentlichen
ProfessoranderDeutschenUniversitätPragberufen.421ZweiJahrespäterwurde
inGrazdurchdenTodvonJuliusVargha422daszweitestrafrechtlicheOrdinariat
neben Gross vakant, worauf Gross als Referent der Besetzungskommission
GleispachandieersteStelle,AdolfLenzandiezweiteundFriedrichByloffandie
dritte Stelle setzte. Die BevorzugungGleispachs vor Lenz dürfte aus zweierlei
Gründenerfolgtsein:EinerseitshandelteessichbeiGleispachumdenSohndes
vormaligen Justizministers, der in seiner Amtszeit die Bestrebungen Gross’
unterstützt hatte, andererseits sah Gross in Gleispach einen »kongenialen
Partner« für sein geplantes kriminalistisches Institut.423 Entgegen dem Vor-
schlag Gross’ erstattete die Grazer Fakultät einen Besetzungsvorschlag, der
GleispachundLenzprimoloconannte.DaGleispachbereitwar,seineStellungin
413 VglGleispach Johann, in:ÖBLII (Wien1957), 6. JohannGleispachwar Justizminister im
KabinettBadeni.
414 UAW,M32.4–382.
415 RolandGrassberger,Gleispach,Wenzeslaus,NDBVI (Berlin1964)451.
416 In seinem Personalblatt hat Gleispach diese Rubrik durchgestrichen. Vgl. UAW, Senat
S. 304.357.
417 ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton610,PersonalaktGleispachWenzel.
418 Probst, Strafrecht 56.
419 GleispachWenzeslausGraf, in:ÖBLII (Wien1957)7.
420 BArch (Berlin-Lichterfelde),R/4901/13263.
421 ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton610,PersonalaktGleispachWenzel.
422 ZuVarghavgl. Probst, Strafrecht 23–30.
423 SoProbst, Strafrecht 56 f., insbes. Fn.131. Die
judiziellenFächer426
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik