Page - 437 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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schaftenvonderUniversitätBerlinund1949dasEhrendoktoratderStaatswis-
senschaftenderUniversitätWienverliehen.Kadecˇkaverstarbam14.März1964.
e) GeorgLelewer
GeorgLelewerkamam29.September1872als Sohndes jüdischenKaufmanns
DavidLelewer501und seiner FrauAnna inWien zurWelt, 1894konvertierte er
zumKatholizismus.502ErstudierteRechtswissenschafteninWienundwurdeim
November1896zumJDrpromoviert. Imgleichen Jahrbeganner alsAuditori-
atspraktikantbeimk.u.k.Garnisonsgericht inWien, inweitererFolgewurdeer
als Justizoffizier inKronstadt [Bras¸ov/RO], Pola [Pula/HR],Krakau [Krakûw/
PL], imLandesverteidigungsministerium,inGrazundinCzernowitz[Cˇernivci/
UKR] tätig.5031907habilitierte sichLelewer fürösterreichischesStrafrechtund
fürMilitärstrafrechtanderUniversitätCzernowitzmitderSchrift»Diestrafbare
Verletzung derWehrpflicht in rechtvergleichender und rechtspolitischer Dar-
stellung«.ZweiJahrespäteralserzumRegierungsvertreterdesMinisteriumsfür
Landesverteidigungernanntwurde,suchteLelewerumeineÜbertragungseiner
venia legendiandieWienerFakultät an.DieReferentenStoossundLammasch
sprachen sich für eineÜbertragung aus – jedoch »mit Beschränkung auf das
Militärrecht«504, imNovember 1910beantragte Lelewerdie Erweiterung seiner
Lehrbefugnis auf das allgemeine Strafrecht, was ihm auch bewilligt wurde.505
1913 wurde Lelewer der Titel des außerordentlichen Professors verliehen.506
DurchseineTätigkeitamLandesverteidigungsministeriumwarLelewerstarkan
derAusarbeitungderWehrgesetze 1912undanderneuenMilitärstrafprozess-
ordnung1914beteiligt. Seit 1917war erVorstandderAbteilung IV (Gesetzge-
bung) imLandesverteidigungsministerium.AuchinderErstenRepublikwarer
in legislatorischeArbeit involviert–sowarerander»SchaffungderWehr-und
DisziplinargesetzefürdieösterreichischeWehrmacht«507unddesGesetzesüber
dieÜberleitungderJustizoffiziereindiebürgerlicheJustizbeteiligt. 1920wurde
LelewerzumHofratdesOberstenGerichtshofesernannt,1934erfolgtedanndie
Ernennung zum Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes. In der Lehre
konzentrierte sich Lelewer auf sein Spezialgebiet dasMilitärstrafrecht: Er las
501 Vgl.Pakes,GeschichtedesLehrkörpers133.
502 Staudacher,Austritt 360Fn.24.
503 ÖsterreichischeWehr-Zeitungvom9.9. 1932,TA,TP-029409.
504 SchreibendesUnterrichtsministeriumsvom30.8.1909,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.
Wien,Karton611,PersonalaktLelewerGeorg.
505 Schreiben desDekan Stooss an dasUnterrichtsministeriumvom27.1. 1911,ÖStAAVA,
UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton611,PersonalaktLelewerGeorg.
506 Ah. Entschließungvom25.3. 1913,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton 611,
PersonalaktLelewerGeorg.
507 WienerZeitungvom4.8. 1934,TA,TP-029409.
StrafrechtundStrafprozessrecht 437
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik