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Bereits imFebruar 1913wurdeanderUniversität inGrazdask.k.Kriminalis-
tischeUniversitätsinstitutGrazgegründet, dessenVorsteher zunächstHansGross
undnachdessenTod1915AdolfLenzwurden.621KnappzehnJahrespäterwurdeein
solches InstitutauchanderWienerRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät
unterderBezeichnung»UniversitätsinstitutfürdiegesamteStrafrechtswissenschaft
undKriminalistik«errichtet.Gleispacherklärtezudemrelativ langenInstitutsna-
men,dasser»einerseitsdenengenZusammenhangdersogenanntenHilfswissen-
schaften mit der Strafrechtswissenschaft im engeren Sinn, andererseits ein
HauptarbeitsgebietdesInstitutes,dieKriminalistikimSinnevonHansGross,schon
imTitel«622betonenwollte. Inhaltlich sollten sichdasStrafrechtunddieHilfswis-
senschaften gegenseitig ergänzen. In einemArtikel über sein Institut beschrieb
GleispachdiewechselseitigenEinflüssebildhaft: »So liefertdieErscheinungslehre
denbreiten tatsächlichenUnterbau, auf demdasNormengebäudedes Strafrechts
aufgeführt ist;dieKriminalpolitikbildetdieKrone,mitKriminalpolitikkannsich
nurdererfolgreichbefassen,derdasVerbrechenals tatsächlicheErscheinungund
alsRechtsbegriffkennt.«623
b) DieEntstehung
Laut eigenenAngabenveranstalteteGleispach imWintersemester1921/22eine
als »strafrechtlicheKlinik«bezeichneteLehrveranstaltung (die allerdingsnicht
imoffiziellenVorlesungsverzeichnissenangeführtwurde).Sie fand jedeWoche
einmal zweistündig in den Räumlichkeiten der Polizeidirektion statt. Zum
ZweckderVorführungenstanden»sogenannte ›Schüblinge‹zurVerfügung,das
sind abgeurteilte Leute, die ihre Freiheitsstrafe verbüßt hatten und ausWien
oderalsAusländerausganzÖsterreichabgeschafft(landesverwiesen)waren«624.
Mit deren Einverständnis präsentierte sie Gleispach den Studierenden und
sprachmitihnenüber»dasElternhaus,dieVerhältnissederJugendzeit[…]über
die Tat selbst und ihre Grundlagen«625. Zum Ablauf seiner Vorführungen
schilderteGleispach:»Vor jedereinzelnerVorführunghabe ichmeinenHörern
kurzdieTatsachenmitgeteilt,dieausdenAktenzuentnehmenwaren,nachder
Abführung das Bild abzurunden versucht und besprochen, das der Einzelne
geboten hatte. DieHörer nahmen an dieser Besprechung teil, hingegen regel-
mäßig nicht an derUnterhaltungmit demVorgeführten.«626Am18.Mai 1922
621 ZumGrazerUniversitätsinstitutvgl:Probst, Strafrecht48–52mwN;Bachhiesl,Grazer
SchulederKriminologie.
622 Gleispach,Universitätsinstitut 28.
623 Gleispach,Universitätsinstitut 28.
624 Gleispach,Universitätsinstitut 28.
625 Gleispach,Universitätsinstitut 29.
626 Gleispach,Universitätsinstitut 29. Die
judiziellenFächer454
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik