Page - 468 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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erinnerte,unddassdieser ineinerdieUniversität»verletzenden«ArtundWeise
erfolgtsei.SoerreichteesLammasch,dassanJellineksStelleEdmundBernatzik
andie erste Stelle desBesetzungsvorschlages gereiht unddannauch,mitWir-
kungvom1.Oktober1894 tatsächlichberufenwurde.11
Edmund Bernatzik12war am 28.September 1854 inMistelbach in Nieder-
österreichgeborenwordenundhatte inWiendas JosefstädterGymnasiumbe-
sucht, wo er 1871 maturiert hatte. Nach seiner Promotion zum JDr. an der
UniversitätWien1876wandte er sichzunächstderRechtspraxis zu, legte 1879
dieRichteramtsprüfungabundwardannanverschiedenenBezirksgerichtenin
WienundUmgebung tätig. 1885 ließ er sich jedochbeurlaubenund fuhrnach
Straßburg[Strasbourg],woerdiegroßenPositivistendesdeutschenStaats-und
Verwaltungsrechts,PaulLabandundOttoMayer,kennenlernte.Nochimselben
Jahr reichte er seine Habilitationsschrift, »Rechtsprechung und materielle
Rechtskraft«, bei der Universität Wien ein, worin er die rechtsprechende
Funktion der Verwaltungsbehörden klar erkannte und die Fälle zu definieren
suchte, indenendieBehördeberechtigt sei, einen fehlerhaftenVerwaltungsakt
zubeseitigenbzw.wodieser– trotzMangelhaftigkeit– inRechtskraft erwachse
unddamitunanfechtbarwerde.131885erlangteBernatzikdieLehrbefugnis zu-
nächst fürVerwaltungsrecht,1888auchfürStaatsrecht;1891nahmereinenRuf
der Universität Basel an (wo er zum Nachfolger des mit ihm befreundeten
Jellinekwurde),1893gingernachGraz,bevorer1894nachWienzurückkehrte.
»Bernatzik hat nurWeniges, aberGehaltvolles publiziert.«14 SeinerHabilitati-
onsschrift folgten noch eineMonographie Ȇber den Begriff der juristischen
Person« (1890) und eine zurUnterscheidung von »Republik undMonarchie«
(1892) sowie vor allemseinekommentierteAusgabederösterreichischenVer-
fassungsgesetze, fürdie er nochheute jedemVerfassungshistoriker einBegriff
ist. 1896/97 sowie 1906/07 fungierte er alsDekan, 1910/11 alsRektor derUni-
versitätWien; von 1906bis zumEndederMonarchiewar erMitglied des k.k.
Reichsgerichts.
EinedritteLehrkanzelwurde1894 fürdasVerwaltungsrechtgeschaffenund
mitAdolfMenzelbesetzt.Menzel,151857 inReichenberg[Liberec/CZ]geboren,
hatte 1874 am Piaristengymnasium in Pragmaturiert und 1879 an der Karl-
11 SiehedazukünftigOlechowski,VonGeorg JellinekzuHansKelsen (imDruck).
12 LudwigAdamovich,Bernatzik,Edmund, in:NDBII(Berlin1955)103;BernatzikEdmund,
in:ÖBLI (Wien 1957) 75 f; Thomas Olechowski, Bernatzik Edmund, in:ÖBL online
[http://www.biographien.ac.at–gehtvoraussichtlichEnde2014online].
13 Bernatzik,Rechtskraft.
14 Winkler,GeleitwortzumNDvonBernatzik,ÜberdenBegriffderjuristischenPersonVII.
15 Vgl. zu ihm Adamovich, Menzel; Merkl, Adolf Menzels Lebenswerk; Zawada, Adolf
Menzel;WilhelmBrauneder, Menzel, Adolf, in: NDBXVII (Berlin 1994) 104 f;Mayer,
Menzel.
DiestaatswissenschaftlichenFächer468
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik