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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Erscheinen von Sanders »Staat und Recht« hinausgezögert, um die wahre Ge- dankengenealogie zu verschleiern.118 Das war ein unverblümter Vorwurf des Plagiats,undKelsenerstatteteunverzüglich,am7.Mai1923,Selbstanzeigebeider Disziplinarkammer für LehrpersonenanderUniversitätWien.DerDisziplinar- anwaltderUniversitätWien,WenzelGleispach,beauftragteAlexanderLöfflermit derLeitungundDurchführungeinesBeweisaufnahmeverfahrens,welcherAdolf Menzel zum Gutachter bestellte und mehrere Zeugen, darunter auch Sander, einvernahm.SeineUntersuchungenführtendazu,dassdieDisziplinarkammeram 16. Juli beschloss, die Selbstanzeige zurückzulegen, da sich keinerlei Anhalts- punkte fanden,einDisziplinarverfahrenauchnureinzuleiten.119 Ob tatsächlich einPlagiatsfall vorlagodernicht, lässt sichheutenichtmehr ermitteln; bei einem so engenVerhältnis, wie es zwischenKelsenund Sander über längere Zeit bestanden hatte, ist es durchausmöglich, dass beide im ge- meinsamenGesprächgewisse Ideenentwickelten, vondenen jederderAnsicht war,eswäreseineeigenegewesen,undsiedannzuunterschiedlichenZeitenzu Papier brachte.120Wesentlich ist, dass Kelsen durch das Disziplinarverfahren öffentlich »reingewaschen« wurde, während Sander nunmehr als Verleumder dastand. Dies wurde ihm auch vorgehalten, als er imOktober 1923 erfolglos versuchte, die venia legendi an der Deutschen Universität Prag zu erlangen. Sander sah sich genötigt, imApril 1925 im »Brünner Tagesboten« seineVor- würfe gegen Kelsen öffentlich zurückzuziehen; auf Vermittlung des Brünner ProfessorsFrantisˇekWeyrkamesdannauchzueinerpersönlichenAussprache undzumindest oberflächlichenVersöhnungzwischenSander undKelsen. Erst danach, imNovember1928,erlangteSanderdieLehrbefugnisanderDeutschen Universität Prag; imOktober 1930wurde er auch zumOrdinarius an der ge- nanntenUniversität ernanntundwirktehierbis zuseinemTod1939.121 d) WeitereMitglieder; fakultätsinterneKämpfe Von den sonstigen Mitgliedern des »Kelsen-Kreises« ist hier zunächst noch WalterHenrichzunennen.122ErstammteausSiebenbürgenundhatte inKlau- senburg [Cluj/RO] studiert,wo er 1910dasDoktorat der Staatswissenschaften 118 Ebd.65. 119 Olechowski,Busch,KelsenanderDeutschenUniversitätPrag1118.DieAffärewurdevon KelseninderZÖRauchdokumentiert(»IneigenerSache«,ZÖR3[1922/23]499–502,699– 700); vgl. oben85. 120 In einem im Juni 1923 verfassten siebenseitigenMemorandum »In eigener Sache« hielt Sander fest: »Ich habe nie eine seiner [Kelsens]Vorlesungen, hingegen er täglichmeine Privatissimagehört!«Zit.n.Oberkofler, Spiegel 151. 121 Olechowski,Busch,KelsenanderDeutschenUniversität Prag1127. 122 18.4. 1888–8.5. 1955.Vgl. Perthold-Stoitzner,Henrich. AllgemeinesundösterreichischesStaatsrecht 489
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Title
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Authors
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2014
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
838
Category
Recht und Politik
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938