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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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stimmen.222WelcheMotivees imEinzelnenwaren,dieauchMerkldazutrieben, sich am 21.April 1938 in der »Neuen Freien Presse« zustimmend zum kurz davorerfolgten»Anschluß« zu äußern,wissenwirnicht. ZumgenanntenZeit- punkt hatte dieGestapo bereitsMerklsWohnungdurchsucht und ihm seinen Pass abgenommen; dass er vomneuenRegime nichts Gutes erwarten durfte, hätteihmbewusstseinmüssen.BereitsamnächstenTag,dem22.April,wurdeer beurlaubt und später, am21.Dezember 1939, in denRuhestandversetzt. Zwei Jahre langverdienteMerkl seinenUnterhalt alsHelfer inSteuersachen, bisder durchdenKrieghervorgerufeneMangelanLehrkräftendazuführte,dassMerkl eine Berufung an die Universität Tübingen erhielt und auch annahm. Zwie- spältigwardasUrteilüberMerkl imAktderGauleitungderNSDAP:»…Eswird ihmvorgeworfen, ›Formalist‹ zu sein. Auf sein Buch ›Die ständisch-autoritäre Verfassung Österreichs‹ hin wurde ihm der Vorwurf gemacht, mit dem österr[eichischen] Regierungskurse ein Kompromiss geschlossen zu haben. Andererseits hat er in nationalen Belangen auch Positives geleistet (Beratung d[er] Großdeutschen Partei in Verfassungsfragen, Gutachten über die An- schlussfragen und Rechtsangleichung für Österr.-Deutsche Arbeitsgemein- schaft,Mitarbeit anderZeitschrift ›DeutscheEinheit‹usw.)SoerscheintMerkl politisch schwankendeheraberpositivalsnegativ zuwerten.«223 Nach derWiedererrichtung der Republik beschloss die Fakultät die Rück- berufungMerkls nachWien, dochwurde ihm sein Zeitungsartikel vomApril 1938 beinahe zumVerhängnis: Denn als dieser aktenkundig wurde, weigerte sich der Bundespräsident – Renner (!) –, das bereits unterfertigte Ernen- nungsdekret auszufolgen, und erst, als sichHansKelsen aus dem fernenKali- fornienpersönlich für seinenSchülerundFreundeinsetzte,konnteMerkl1950 nachWienzurückkehren.224Erunterrichtetehiernochbis1965,vier Jahreüber seineEmeritierunghinausundstarbam22.August 1970 inWien. b) LudwigAdamovichsen. 1933/34 schien es nicht nur, dass Layer Nachfolger Kelsens in Köln werden könnte–aucheinNachfolgenKelsens aufLayer inWienwar zumindestdenk- möglich! Denn als Layer am 30.September 1933 in den Ruhestand versetzt wurde,weiltederausDeutschlandgefloheneKelsen–alsPrivatmann–wiederin Wien.Merkl setzte sich auch dafür ein, Kelsenwieder zurück an dieWiener 222 SiehedazudieEinleitungvonEduardRabofskyzuKarlRenner,Anschluß. 223 ÖStAAdR,BMI,GauaktNr.1841 (AdolfMerkl); vgl. schonStaudigl-Ciechowicz, Von AdamovichbisPfeifer217. 224 Staudigl-Ciechowicz,VonAdamovichbisPfeifer217ff. DiestaatswissenschaftlichenFächer512
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Title
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Authors
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2014
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
838
Category
Recht und Politik
Web-Books
Library
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