Page - 523 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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WasaberdenakademischenUnterrichtbetraf, sobeschränkte sichdieVor-
lesungstätigkeit Lammasch’ ganz auf das Strafrecht,261während eine Völker-
rechtsvorlesungerstwiederabdemSommersemester1903,undwiederumvon
einemVortragendenmosaischenGlaubensangebotenwurde, nämlichvomao.
ProfessorLeoStrisower,derschonzuvorauchVorlesungenüberInternationales
Privatrecht und Internationales Strafrecht angeboten hatte. Im Herbst 1908
nahmparallel zu Strisower auch Alexander Hold Freiherr von Ferneck seine
völkerrechtliche Vorlesungstätigkeit auf. Beide wurden 1922 zu Ordinarien
diesesFachesernannt,womitdieBedeutungdiesesFachesnunauch innerhalb
derFakultät sprunghaft anstieg.
2. DieProfessorenundDozenten1918–1938
a) LeoStrisower
LeoStrisower262wurde1857inBrodyinGaliziengeborenundstudierte inWien
dieRechtswissenschaften,woer1879subauspiciis imperatorispromovierte.Im
gleichen Jahr stellte er den Antrag auf Verleihung der venia legendi für das
Völkerrechtmit der Habilitationsschrift »Die italienische Schule des interna-
tionalenPrivatrechts«.SeinWerkwurdeanderFakultätzwarmitEnthusiasmus
aufgenommen, doch der Probevortragmisslang: »Wie aus denAkten hervor-
geht,warStrisowernachdreiviertelStundennochimmerbeiderLiteratur.Sein
Vortragwar stockendundunzusammenhängendund schien ohne jede eigene
Ansichtzusein.«DasMinisteriumfordertedieFakultätauf,Strisowerzueinem
zweitenProbevortragzuladen,wasdieFakultätmitdemHinweisaufmangelnde
gesetzliche Grundlage abwies und die Habilitierung Strisowers verlangte.
Schließlichkonntemansichauf einKompromiss einigen. Strisower»hielt […]
einenVortraginderWienerjuristischenGesellschaft,unddiesenVortragnahm
das Ministerium als Ersatz für die vorgeschriebene Probevorlesung an.«263
Seitdem (1881) hielt er Vorlesungen an der Universität Wien. Parallel dazu
schlug Strisower aber auch die Rechtsanwaltslaufbahn ein und legte 1886 die
Advokatenprüfungab.M¦tallschreibt,dassStrisowerdiesenBeruf»nacheiniger
steiner, Der ErsteWeltkrieg 1036, der jedoch irrtümlicherweise den 25.10. als Tag der
ErnennungLammasch’ angibt.
261 LautPlöchl »ließLammasch sichvonseinerLehrverpflichtungausVölkerrecht [imWin-
tersemester 1898/99] entbinden«. Plöchl, Völkerrechtswissenschaft 45 – jedoch ohne
Quellenangabe.
262 2.10. 1857–6.1. 1931. Vgl. Métall, Strisower; Verdross, Strisower; Thomas Ole-
chowski, Strisower Leo, in:ÖBLXIII (Wien 2010) 405 f.; Ein Schriftenverzeichnis be-
findet sich in: [Nachruf auf] Leo Strisower, in: Feierliche Inauguration 1931/32, 28–33.
263 Plöchl,Völkerrechtswissenschaft 43.
Völkerrecht 523
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik