Page - 530 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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träge. »Er sollte zehn Jahredauern!«294DenAuftaktbildete seineTeilnahmean
einem1922vomVölkerbundrateingesetztenAusschuss,derübereinenAntrag
SchwedensundNorwegensberatensollte,wonachdemRatdieZuständigkeitfür
dieErledigungvonzwischenstaatlichenStreitigkeitenabzunehmensei.Holdtat
diesumsoleidenschaftlicher,alserprinzipiellVorbehaltegegendenVölkerbund
hatte. Es folgte eine Reihe von Reden und Publikationen, die sich gegen die
Verträge richteten. »Den bestenAntrieb fand die Sache durch die nationalso-
zialistische Bewegung«, befandHold rückblickend im Jahr 1952 (!) und hob
hervor, dass der damalige Fraktionsvorsitzende derNSDAPWilhelmFrick im
Oktober1930»einenauchvonGöring,Goebbels,Hierl,Graf zuReventlowu.a.
unterzeichnetenAntrag« auf Aufhebung des »widerrechtlich aufgezwungenen
Versailler Vertrages« im Reichstag einbrachte, der sich wesentlich auf Holds
Arbeiten stützte: »›Widerrechtlich aufgezwungen‹, das warmeine Formel!«295
ZuHolds politischer Einstellung – ander er offenbar auchnochnach 1945
festhielt–passtes,dasser1924demDeutschenKlubbeitrat,unddasserca. 1925
versuchte,seine1905mitEmmaFreiinvonIsbarygeschlosseneEheausoffenbar
rassistischenGründenannullierenzulassen.296Sohältzumindestdernach1938
für ihnangelegte »Gauakt« fest, dass ergegenüberdemkirchlichenEhegericht
alsGrund fürdie von ihmbeantragteAnnullierung angegebenhatte, »er habe
nichtgenaugewußt,daßseineFraunichtarischerAbstammungsei.DasGericht
lehnte diese BegründungderNichtigkeit jedoch abund erklärte seine Ehe für
gültig.«297 Ob die Abstammungsfrage – seine Gattin war lediglich zu einem
Achtel»jüdischerAbstammung«–tatsächlichausschlaggebendwar,oderobder
frühe Tod der gemeinsamen Tochter Alexandrine, die im Juni 1924, kurz vor
ihremelftenGeburtstag starb, fürdieZerrüttungseinerEheeineRollegespielt
hatte, lässt sich freilich anhandderAktennicht erkennen. Seine Ehe bereitete
ihm aber auch nach dem »Anschluß« einige Schwierigkeiten. Zwar galt Hold
nicht als »jüdisch versippt« im Sinne der Nürnberger Rassegesetze, aber es
wurde ihm doch nahegelegt, seinen Antrag umAufnahme in die NSDAP zu-
rückzuziehen.BegründendwurdeaufseineEheschließungverwiesen;allerdings
galt Hold-Ferneck trotz seiner eindeutigen Sympathie für die Nationalsozia-
listen als »nationaler Legitimist« und bewegte sich in Adels- undHeimwehr-
kreisen.298
EsbestandalsoeineVielzahlvonGründen,weshalbAlexanderHold-Ferneck
inderWienerRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät zumerbittertsten
294 Hold-Ferneck, Selbstdarstellung100.
295 Hold-Ferneck, Selbstdarstellung101.
296 Zur rassistischenWeltsichtHolds vgl. auchBusch, Staudigl-Ciechowicz, »EinKampf
umsRecht«132 f.
297 ÖStAAdR,BMI,GauaktAlexanderHold-Ferneck.
298 ÖStAAdR,BMI,GauaktAlexanderHold-Ferneck.
DiestaatswissenschaftlichenFächer530
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik