Page - 538 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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soweit sie dasVölkerrecht betraf, nicht jedochhinsichtlichdesFachesRechts-
philosophie, fortsetzen.
Nach1945wurdeVerdroß vollständig rehabilitiert, 1947 erneut zumDekan
und1951 zumRektor derUniversitätWien gewählt. AlsMitglied der Interna-
tional LawCommission derUNO (1957–1966) undRichter amEuropäischen
Gerichtshof für Menschenrechte (1958–1977) stieg er zu einem der weltweit
bedeutendstenVölkerrechtlerauf;unterseinemVorsitzwurdeam23.Mai1969
die Wiener Vertragsrechtskonvention unterzeichnet. Von 1959 bis 1961 war
VerdroßPräsident des Institut deDroit International. ZahlreicheEhrendokto-
rate und Festschriften zeugen von seiner internationalen Anerkennung; in
Österreichwurde er 1950 zumwirklichenMitgliedderAkademie derWissen-
schaftengewählt.337
Schon seit 1925warVerdroß zumSchriftleiter der vonKelsenbegründeten
»Zeitschrift fürÖffentliches Recht« (ZÖR) bestellt worden, eine Position, die
nachdemWeggangKelsens ausWienwohl immerwichtigerwurde;überKel-
sens schrittweiseHinausdrängungausdieserZeitschrift, die ab1938unterder
HauptherausgeberschaftVerdroß’ erschien,wurdebereitsobenberichtet.338Sie
führtezueinemjahrelangenZerwürfnis zwischendenbeidenJuristen,daserst
nachdemKriegbeigelegtwerdenkonnte;Verdroß’ zahlreicheVersuche,Kelsen
in»seinLager«einermaterialenRechtsphilosophiezuziehen,blieben indessen
erfolglos. Verdross blieb Hauptherausgeber der ZÖR bis zu seinem Tod am
27.April 1980 in Innsbruck.
d) Josef LaurenzKunz
SowieVerdroßwarauchder gleichaltrige Josef LaurenzKunz339 einAnhänger
der Reinen Rechtslehre; im Gegensatz aber zu Verdroß distanzierte er sich
niemalsvondenLehrenKelsens,javersuchte,zwischendenbeidenGelehrtenzu
vermitteln–aufwissenschaftlicherwieaufpersönlicherEbene–undwurde in
späteren Jahren, als sowohl er als auchKelsen in denUSA lehrten, einer der
wichtigstenPersonen fürKelsenswissenschaftlichenKontakte inÜbersee.Ge-
boreninWienalsSohneinesArztes,studierteer inWien,ParisundLondondie
Rechtswissenschaftenundpromovierte am6.März 1914 inWien.DerKriegs-
ausbruchüberraschte ihninEngland,vonwoersofortzuseinerTruppe,einem
Kavallerieregiment, einrückteundbisNovember1918»ununterbrochenander
Front«diente.340NachdemKriegnahmerdasStudiumderStaatswissenschaften
337 Verosta,ÖAW;Seidl-Hohenveldern,Verdross.
338 Zudieseroben494.
339 1.4. 1890–5.8. 1970.
340 HandgeschriebenesCV,datiert24.6. 1929,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton
611,PersonalaktKunz Josef.
DiestaatswissenschaftlichenFächer538
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik