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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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war; erstaunlich ist vielmehr, dass sichHold-Ferneck gar nicht dieMühe gab, seinenHassgegenKelsenhinterwissenschaftlichenArgumentenzuverbergen, sondernKunzganzoffenvorwarf,»sichinauffallenderWeisegerademitKelsen, VerdroßundMerkl [zu] beschäftigen«, als ob schondies allein ihndisqualifi- zierenwürde.WasschließlichKunz’These,dieOkkupationBelgiens1914wäre eineVerletzungdesVölkerrechtsgewesen,betrifft, someintHold-Fernecknur, dass »ein Deutscher besser tue, zu schweigen, wenn er sich schon über das VerhaltenderdeutschenRegierungein solchesUrteil gebildethabe.«352 Wie schon im Fall Schreier, so gelang es Hold-Ferneck auch im Fall Kunz nicht,dieHabilitationzuverhindern:Am11. Juni1927erfolgtedieHabilitation von Josef L.Kunz fürdas Fach»Völkerrecht«mit allen gegen eine Stimmebei einer Stimmenthaltung. Im Februar 1930 beantragte Kunz die Erweiterung seiner venia auf das allgemeine undvergleichende Staatsrecht; aufGrundder beidenGutachten vonKelsenundLayer beschloss das Fakultätskollegiumam 28. Juni1930einhellig,dieveniaauszudehnen;vonHold-Ferneck–derzujener Zeit alsDekandemKollegiumvorsaß–kamkeinWiderstandmehr.353 DieLehrtätigkeitvonJosefKunzanderUniversitätWienwarnurvonkurzer Dauer:3541932erhielt ereinRockefellerResearchFellowship,mitdemer indie VereinigtenStaatengingundu.a. sechsMonate anderHarvardUniversity zu- brachte. 1934wurdeKunzProfessor für InternationalLawanderUniversityof Toledo imUS-BundesstaatOhio,woerbis zu seinerEmeritierung1960 lehrte. MitKelsen standKunzweiterhin, insbesonderenachdessen eigener Immigra- tion in die Vereinigten Staaten 1940, in regem Kontakt; 1950/51 hielten sie gemeinsam inBerkeley Lehrveranstaltungen.Kunzwar es auch, der 1948 eine Versöhnung zwischenKelsenundVerdroß erfolgreich indieWege leitete;mit seinem1950erschienenenBuchüber»LatinAmericanPhilosophyofLawinthe XXthCentury«war ermaßgeblich anderVerbreitungderReinenRechtslehre auch in Lateinamerika beteiligt. Er starb am5.August 1970 inToledo (Ohio). 352 Gutachten vonAlexanderHold-Ferneck vom4.6.1926,ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ. Wien,Karton611,PersonalaktKunzJosef;vgl.schonGoller,Naturrecht,Rechtsphilosophie oder Rechtstheorie 254; Kammerhofer, Kunz 245; Busch, Staudigl-Ciechowicz, »Ein KampfumsRecht«134. 353 BerichtdesDekansandasMinisteriumvom29.6. 1930,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ. Wien,Karton611,PersonalaktKunz Josef. 354 DasPersonalblatt des akademischenSenates (UAW,Senat S 304/695/2) enthält denhand- schriftlichenVermerkdesRektorats:»Venia legendi1937/38erloschen«.Grunddafürwird die Nichtankündigung von Lehrveranstaltungen seitmehr als fünf Jahren gewesen sein. Völkerrecht 541
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Title
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Authors
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2014
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
838
Category
Recht und Politik
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938