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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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lassen. Schüllerwurdedaraufhin imAugust 1901 fürdasFachNationalökono- miehabilitiert. Mit der Studie »Schutzzoll und Freiheit« (1905) erlangte Richard Schüller auch internationale Beachtung, doch derHochschulantisemitismus verwehrte dembekennendenJudeneineProfessorenlaufbahn,auchwenner1910denTitel eines außerordentlichenProfessors erhaltenhatte.Deshalb schlugSchüller die Beamtenlaufbahnein. 1913avancierte er zumMinisterialrat imHandelsminis- terium und gehörte 1918 der Delegation für die Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk und Bukarest an; 1919 nahm er auch an den Friedensverhand- lungen von Saint Germain teil. In der Ersten Republik wurde Schüller in das Außenministerium übernommen und erhielt die Leitung der Handelspoliti- schenSektion.Er führtebis 1938sämtlichehandelspolitischenVerhandlungen und war auch in finanzpolitischen Fragen von maßgeblichem Einfluss. 1927 wurde er Mitglied desWirtschaftskomitees des Völkerbundes; seit 1932 be- kleidete er außerdemden Posten eines außerordentlichenGesandten und be- vollmächtigtenMinisters der österreichischenRegierung beimVölkerbund in Genf. Nautz bezeichnet Schüller »als Architekt der österreichischenHandels- politikderZwischenkriegszeit«, dessenEinfluss aberweitüberdieseAgenden hinausgegangen sei, zumal er selbst nach Erreichen des Pensionsalters (1933) aufBeschlussdesMinisterratesweiterbeschäftigtwurde.397 Neben seiner politischenTätigkeit lehrteRichard Schüller vomSommerse- mester 1902mitUnterbrechungenbis zumWintersemester 1928/29 alsPrivat- dozent fürNationalökonomiemitdemTiteleinesaußerordentlichenProfessors (seit Dezember 1927 als Honorarprofessor) an der Rechts- und Staatswissen- schaftlichen Fakultät der Universität Wien die Fächer Handels- und Wirt- schaftspolitik. Außerdemwar er Mitglied der Nationalökonomischen Gesell- schaft und fungierte ab 1930 alsMitherausgeberder »Zeitschrift fürNational- ökonomie«. 1938 ließ sichRichard Schüller beurlauben undwurde schließlich von den Nationalsozialisten»pensioniert«.ErmussteausÖsterreichfliehen,zuerstnach Italien, dannzuseinerTochternachEngland.Dort versuchteFriedrichHayek, SchülleraneinerUniversitätunterzubringen,wasjedochaufgrundseinesAlters nichtgelang.DeshalbarbeiteteSchüller1939bis1940beim»Royal Institute for InternationalAffairs«,woerdie»EuropeStudyGroup«leitete,diesichmiteiner NachkriegsordnungfürMitteleuropabefasste.DanachemigrierteSchüllerindie USA,umvon1940bis1952anderNewSchool forSocialResearchzu lehren.398 Im Juni 1941 übernahm er den Vorsitz des neugegründeten »Austrian Com- 397 Nautz, Schüller 638 f. 398 Vgl. Feichtinger,Wissenschaft zwischendenKulturen222 ff. Nationalökonomie& Volkswirtschaftspolitik 557
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Title
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Authors
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2014
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
838
Category
Recht und Politik
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