Page - 562 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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WienverlassenundetwaRufe andieUniversitätenFrankfurt amMain (1927),
Kiel408 (1927und1931) oderBonn (1932,wieder einmal alsNachfolger Joseph
Schumpeters) annehmen können, blieb jedoch »aus moralischer Verpflich-
tung«409gegenüberderÖsterreichischenSchulederNationalökonomieinWien,
wo er weiterhin die Hauptvorlesungen in Volkswirtschaftslehre und Finanz-
wissenschafthielt sowie»TheoriederEinkommensbildung« las.
Aufgerieben imKampfmit Othmar Spann verfasste HansMayer in jenen
JahrenkeingrößeresoderbedeutenderesWerkmehr.Zwargaberzwischen1927
und 1932 (unter anderemmit RichardReischundunterstützt von seinenAs-
sistenten Jakob Baxa, Oskar Morgenstern und Paul Rosenstein-Rodan) die
vierbändige»WirtschaftstheoriederGegenwart«herausund fungierte1928als
Mitbegründerder»Zeitschrift fürNationalökonomie«,warMitherausgeberder
»Wiener rechts-undstaatswissenschaftlichenStudien«sowieder»Beiträgezur
Wirtschaftstheorie«,publizierte jedochselbstabgesehenvoneinigenEinträgen
im»Handwörterbuchder Staatswissenschaften« (zumBeispiel »Konsumtion«,
»Monopolpreis«, »Gut«, »Zurechnung«) und kurzenBeiträgen in Sammelwer-
ken (zumBeispiel zu »Der gegenwärtige StandunddieZukunft derKonjunk-
turforschung«,derFestschrift fürArthurSpiethoff, 1933)kaummehr.
Dennochkonntendie extramural organisiertenNationalökonomendenOr-
dinariusHansMayernichtübergehen,sondernwarensogaraufihnangewiesen.
DaLudwigMisesnicht inderLagewar,seineSchülerselbstzuhabilitieren,und
sichkeinesfalls andenSozialphilosophenSpannoderDegenfeld,denVertreter
derHistorischen Schule, wenden konnte, war er auf gutes Einvernehmenmit
Mayer(unddemMayer-Kreis)bedacht,obwohldieserihmnichtnurausfachlich
Unstimmigkeiten feindlich gegenüber stand.410 So kam es, dass Hans Mayer
nicht nur Mitglied im Kuratorium des »Instituts für Konjunkturforschung«
wurde, sondernauchHerausgeberder»Zeitschrift fürNationalökonomie«und
De-iure-Präsident der »NationalökonomischenGesellschaft«. In jener letztge-
nanntenFunktionagierteerbesondersunrühmlich,entließerdocham18.März
1938perRundschreibenalle jüdischenMitgliederder »Nationalökonomischen
Gesellschaft«; erhätte stattdessendieGesellschaft einfach schließenkönnen,411
408 HansMayernahmzwarnichtdenRufandasOrdinariatfürtheoretischeNationalökonomie
an, ließ sich aber imStudienjahr 1931/32 vonderUniversitätWien beurlaubenundwar
schließlichGastprofessor anderUniversität Kiel undDirektor derVolkswirtschaftlichen
Zentralstelle fürHochschulstudiumund akademisches Berufswesen,wo FerdinandTön-
niesundGunnarMyrdalzuseinenFakultätskollegenzählten.DieZentralstelleuntersuchte
denArbeitsmarkt fürAkademikerundwolltederÜberproduktionmitwissenschaftlichen
Handlungsstrategienentgegenwirken.
409 Mayer inGrass, Selbstdarstellungen252.
410 Siehe hierzu zumBeispiel das Fiakerlied vonFelixKaufmann»DieMises-Mayer-Diskus-
sion« (Kaufmann,WienerLieder).
411 Vgl.Müller, Idealwelten267; sowieLeube,Diskontinuitäten309.
DiestaatswissenschaftlichenFächer562
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik