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sitätMarburg imFachbereichNationalökonomie und lehrte ebendort als Pri-
vatdozent, bis er 1923 einen Ruf als außerordentlicher Professor an die Uni-
versität Würzburg annahm. Nachdem Carl Grünbergs Lehrstuhl über Jahre
vakant gebliebenwar, wurde am 20.Oktober 1927 Degenfeld-Schonburg, der
gleichzeitig einen Ruf aus Rostock hatte, auf Betreiben HansMayers an der
Rechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät derUniversitätWienzumOrdi-
narius ernannt. Er vertrat ab dem Sommersemester 1928 das Fach Politische
Ökonomie und lehrte Sozialpolitik, Volkswirtschaftspolitik undWirtschafts-
geschichteundhieltdiezugehörigenÜbungen.AbdemStudienjahr1928/29war
er zudemDirektordes »Seminars fürVolkswirtschaftslehreundGesellschafts-
lehre« und gehörte ab 1931 auch dem Kuratorium der »Österreichischen
WirtschaftspsychologischeForschungsstelle«an. 1933(undnochmals1945/46)
bekleidete erdasAmtdesDekans.
In Ferdinand Degenfeld-Schonburgs Forschungsfokus standen die wirt-
schaftliche Entwicklung und soziale Ordnung, wobei sein wissenschaftlicher
ZugangdurchseinenkatholischenGlaubengeprägtwar.Bereits inDissertation
undHabilitationsschrift setzte er sichmitdemMarxismusauseinander, später
mit den »Wirtschaftsantriebendes LiberalismusundSozialismus« (1926) und
verfasstezumvierzigjährigenJubiläumderEnzyklikadenText»Sozialpolitische
Forderungen der Enzyklika rerumnovarum« (1931). Außerdembefasste sich
Degenfeld-SchonburgwieseinKollegeHansMayermitdemSozialproblemder
Akademikerarbeitslosigkeit, wovon seinBuch »Geist undWirtschaft. Betrach-
tungen über die Aussichten der deutschenAkademiker« (1927) zeugt. In den
»Jahrbüchern fürNationalökonomieundStatistik«veröffentlichte erunter an-
derem eine Untersuchung über die wirtschaftlichen Zusammenhänge von
»WettbewerbsstrebenundErtragsgestaltung«(1941)unddie»Grundlinieneiner
TheoriederwirtschaftlichenEntwicklung« (1949).
AlsVertreterderHistorischenSchulederNationalökonomieundnochdazu
in Konkurrenz zur nächsten, außeruniversitär angesiedelten Generation der
Österreichischen Schule der Nationalökonomie vermochte FerdinandDegen-
feld-Schonburg jedochkaum,überdie engenGrenzen seinesWirkungskreises
anderUniversitätWienbleibendeWirkung zuhinterlassen.Außerdemwar er
durcheineVerwundungausdemErstenWeltkriegunddiedarausresultierende
AmputationdesrechtenBeinessowiedesrechtenAugesinseinerSchaffenskraft
eingeschränkt. Studierendebezeichneten ihnzwarals »pleasant andeminently
decent«, jedoch»notatallbrilliantman«415 (AlexanderGerschenkron),manchmal
gar als »complete nonentity«416 (FritzMachlup). Machlup gelangte vor allem
aufgrund Degenfelds unverhohlenen Antisemitismus zu dieser Aussage, was
415 AlexanderGerschenkron, zit.n.Craver, Emigration2.
416 FritzMachlup, zit.n.Craver, Emigration2.
Nationalökonomie& Volkswirtschaftspolitik 565
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik