Page - 568 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Untersuchungverwiesenundabgelehnt.Letztlicherwiesensichdiepolitischen
Bedenken als zu erheblich, sodass Laglers Antragmit Erlass des Reichserzie-
hungsministersvom20.September1940nicht entsprochenwurde. SeineLehr-
befugnis erloschdeshalbmitEndeSeptember1940.
Am28.August 1945 suchte Ernst Lagler umWiederverleihung seiner venia
legendi an.DasProfessorenkollegiumbeschlossam22. Jänner1946einstimmig,
denAntrag aufWiedereinsetzung zu befürworten; dasUnterrichtsministerium
legte jedoch seinVeto ein,weilmittlerweileAufzeichnungenaufgetauchtwaren,
»die denGenannten so schwer belasten, dass eineWiederverleihung der venia
docendi an ihnnicht gerechtfertigt erscheint«.AufdieAusübung seinerLehrtä-
tigkeit hatte Lagler dementsprechendnoch zuwarten. Erst am13. Juli 1948 ge-
nehmigte dasMinisteriumdieWiederausübungder Lehrbefugnis. Ernst Lagler
konntedementsprechendfürdasWintersemester1948/49wiederLehrveranstal-
tungenanderRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät ankündigen.
Nicht einmal ein Jahr nach seiner Rehabilitierung suchte die Fakultät um
Verleihung des Titels eines außerordentlichen Professors an. Lagler hatte zu
diesemZeitpunktnochnichtdieerforderlichensechsJahregelesenundsoholte
man den Entzug der venia in der NS-Zeit als Argument hervor, um darüber
hinwegzusehen.DieFakultät beantragte zudemdieErteilungeinesLehrauftra-
ges,weilesgeradeimBereichderpolitischenÖkonomieentsprechendenBedarf
gäbe. Beide Anträge wurden imMai beziehungsweise August 1949 angenom-
men. Ein steilerAufstieg inderZweitenRepubliknahmdamit seinenAnfang:
ImJuli1950erhieltErnstLaglereineForschungsfinanzierungfürzweieinhalb
Jahre,umeineStudie zumThema»ProblemsofAlpine farms«durchzuführen.
ImFeber 1951wurde er zumaußerordentlichen Professor ernannt. Im Studi-
enjahr 1952/53 las er zudem dreiWochenstunden Volkswirtschaftslehre und
WirtschaftsgeschichteanderHochschulefürBodenkultur. 1960nahmLaglerals
Mitglied der österreichischen Delegation an der elften Generalkonferenz der
UNESCO inParis teil und imFeber 1962 verliehman ihmdenTitel eines or-
dentlichen Professors. Inzwischen war Lagler auch Vorsitzender der I. Kom-
mission der Conf¦d¦ration Europ¦enne de l’Agriculture (CEA) gewordenund
hatteals solcher von1958bis1964denVorsitzbeidenGeneralversammlungen
innegehabt.
Vonden genannten Funktionen abgesehenwar Ernst Lagler auchVorstand
des Instituts fürAgrarpolitikundAgrarsoziologie anderUniversitätWienwie
auch geschäftsführender Direktor des Forschungsinstituts für Genossen-
schaftswesen.DieWirtschaftswissenschaftlichenTagungen inBad Ischl leitete
erüber einenZeitraumvonüber 20 Jahren.Aufgrund einer schwerenErkran-
kungemeritierteErnstLagler 1972undverstarbam22.Feber1974.
DiestaatswissenschaftlichenFächer568
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik