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tische Karriere fort. 1947 erschien das Buch »Katholische Sozialpolitik am
Scheideweg« und ab 1949 war Dobretsberger Obmann der Demokratischen
Union,die sich 1953mit derKPÖunddenLinkssozialisten zur »Volksopposi-
tion«vereinigte.456 JosefDobretsberger verstarbam23.Mai1970 inGraz.
u) HansBayer457
Geboren am3.Feber 1903 inWien, absolvierteHans Bayer seine Studien der
Staats- und Rechtswissenschaften (Dr.rer.pol. 1924 et JDr. 1925) an der Uni-
versität Innsbruck und habilitierte bei Hans Mayer 1929 mit der Schrift
»StrukturwandlungenderösterreichischenVolkswirtschaft nachdemKriege«.
AbdemWintersemester 1929/30hielt er alsPrivatdozentderPolitischenÖko-
nomie Vorlesungen in Wien und bot »Probleme einer Theorie der Wirt-
schaftsänderungen« oder die Übung »Neuere sozialwirtschaftliche Kundge-
bungenderchristlichenKirchenvomGesichtspunktderVolkswirtschaftslehre«
an.Ab1930wareraußerdemMitgliedderNationalökonomischenGesellschaft.
1933 wurde Hans Bayer außerordentlicher Professor der PolitischenÖko-
nomieundStatistik anderUniversität Innsbruck, scheint aberweiterhin auch
imVorlesungsverzeichnis der UniversitätWien auf, wo er in den Sommerse-
mestern über die »Neugestaltung derWirtschaft« im Ständestaat sprach. Aus
jenerZeit stammenBayersWerke»DerberufsständischeAufbauinÖsterreich«
(1935) und die »Vorschläge zur Arbeitsbeschaffung« (1937), die ihn als An-
hängerdesneuenRegimesauswiesen.1938wurdeHansBayer aufgrunddieses
politischenBekenntnissesvonderUniversität Innsbruckvertrieben.Nachdem
ZweitenWeltkriegkonnteerseineStelle jedochwiedererlangenundwarab1947
ordentlicherProfessor. 1956nahmBayereinenRufandieSozialakademienach
Dortmund an, wo er bis zu seinemTod am 5.Mai 1965 lehrte. InDortmund
veröffentlichte Bayer das Buch »Der soziologische Strukturwandel in unserer
Zeit« (1957),welchesmaßgeblichdazubeitrug, dass erheute vor allemzuden
Soziologengezähltwird.
Hans Bayers Ruf an die Sozialakademie, aber auch schon seine früheren
Schriften zeigen einmalmehr, dass dieAbgrenzungen zwischenden einzelnen
Wissenschaftsdisziplinen, insbesondere zwischenpolitischerÖkonomieund–
noch längst nicht institutionalisierter – Soziologie in jenen Jahren nochnicht
gezogen waren. Friedrich Stadler spricht daher unter Anführung von Hans
Bayer, Carl Grünberg, Alexander Mahr und Karl Prˇibram von »vielschichtig
interessiertenÖkonomen, Grenzgängern einerWissenschaft imUmbruch«458
456 SiehedazuAutengruber,Dobretsberger.
457 Vgl.UAW, JPA282, SenatS. 304.47.
458 Stadler,VertriebeneVernunft 229.
Nationalökonomie& Volkswirtschaftspolitik 579
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik