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vierteundhabilitiertenicht nurunvergleichlichmehrAnhänger als andere, es
gelang ihmauch,diesenuniversitärePositionenzuvermitteln.«505
Spann scharte zahlreicheAnhänger um sichundkonnte »eine ganzeReihe
vonPersonenwieWilhelmAndreae,JakobBaxa,WalterHeinrich,JohannSauter
oderHansRiehl zunächst alsAssistentenunddannals Privatdozentendurch-
schleusen.«506Diese Spannianer rekrutierten wiederum Ihresgleichen, sodass
Müllervoneiner»akademischenKettenreaktion«spricht.Obwohlnichtallevon
ihnen fürdasFachGesellschaftslehrehabilitiertwaren, sondernbeispielsweise
WalterHeinrichundFerdinandWestphalen fürVolkswirtschaftslehre,werden
sie als Schüler Spanns indiesemAbschnitt behandelt.
a) WilhelmAndreae507
Friedrich Wilhelm Otto Andreae wurde am 8.April 1888 in Magdeburg
(Deutschland) geboren. Er legte dort 1906 die Reifeprüfung amPaedagogium
zum Kloster Unserer Lieben Frauen ab und absolvierte anschließend eine
kaufmännischeLehre inderReederei seinesVaters.Ab1908besuchteAndreae
dieHandelshochschule inBerlin undhörte anderUniversität nationalökono-
mischeVorlesungenbeiWagnerundSchmoller; insbesondersbeeindruckteihn
der SozialhistorikerKurt Breysig, bei demer auch StefanGeorge kennenlern-
te. 1912 entschloss er sich zu einem Studium an der Universität Padua, das
jedoch durch den Ersten Weltkrieg abgebrochen wurde. Von 1918 bis 1921
studierte Andreae schließlich an den Universitäten Heidelberg, Padua und
Breslau die Fächer Philosophie, Archäologie, Soziologie, Klassische Philologie
undNationalökonomie.Am21.April1921wurdeer indenFächernPhilosophie
undNationalökonomie anderUniversität Breslau zumPhDr. promoviert und
gingdannnachWien,woerEndeMai1925beiOthmarSpannmiteinerAusgabe
vonPlatonsSchriften (Titel: »PlatosStaat, griechisch& deutsch,neuübersetzt,
erläutert und eingeteilt«) für das FachGesellschaftslehrehabilitiertwurde; als
ZweitbegutachterhatteMenzel fungiert.
WilhelmAndreae lehrte ab demWintersemester 1925/26 über drei Semester
hinweganderWienerRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät»Soziologieals
wertende undwertfreieWissenschaft (einemethodologische Einführung)« (WS
1925), »Die Bedeutung der antiken Gesellschafts- andWirtschaftslehre für die
moderneTheorie«mit einerLektürevonantikenKlassikern(SS1926) sowie»Die
soziologischeWendung in der neueren amerikanischen Nationalökonomie mit
505 Fleck,AlfredSchütz 108.
506 Müller, Idealwelten241.
507 Vgl. UAW, Senat S. 304.19 sowieÖStA AVA, Unterricht Allg., Univ. Wien, Karton 609,
PersonalaktAndreaeWilhelm.
Gesellschaftswissenschaft 591
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik