Page - 596 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Image of the Page - 596 -
Text of the Page - 596 -
gewiesenunddemFührerprinzipwidersprochen.AußerdemwarHeinrich»wie
alle Spannanhänger überzeugter Gegner rassischen Denkens.«523 Von da an
wurdegegenHeinrichmehrmalsRedeverbot erlassen.
FritzThyssen,GründerdesNationalsozialistischenInstitutsfürStändewesen,
berichteteüberWalterHeinrichund schrieb zu dessenVerteidigung anAdolf
Hitler: »Er ist ein junger, lebendiger Wissenschafter, kein ›Professor‹; in
Österreichwird er wegen seinesNationalsozialismus und seinesHaltens zum
deutschen Staat verfolgt und bekämpft. Durch zahlreiche Wochenendreisen
nachDüsseldorfzumInstituthatergroßepersönlicheOpfergebrachtundseine
WienerLaufbahnständiggefährdet.Natürlichfühltersichdorthingezogen,wo
erdempraktischenWerdeneinerneuenGesellschafts-undWirtschaftsordnung
dieunerlässlichentheoretischenDienste leistenzukönnenglaubt.DieVorträge
vonProf.Heinrichwaren allen ein erhellendes Erlebnis. Er istüberall gefeiert
undvonkeinemaufgeschlossenenNationalsozialisten,seierParteimitgliedoder
SA-MannoderArbeiterführeroderWirtschaftsführer, jemals imLeisesten an-
gezweifeltworden.«524
Ähnlich ThyssensWorte über Othmar Spann, der zwar spiritus rector des
Institutswar,aberinDüsseldorfkeineFunktioninnehatte:»WirhabendenProf.
SpannwegendesumseinePersonwogendenStreitesundwegendergespannten
Beziehungen zuÖsterreich ganz aus derWelt des Instituts rausgelassen […]
Immerhinkann ich, da esmirbekannt ist, andieser Stelle nicht verschweigen,
dass auch Spann inÖsterreich als Nationalsozialist vogelfrei ist, dass er in
ständigem Kampf zur Regierung Dollfuß gestanden hat, dass er vielerorts
(einmal war ich selbst Zeuge davon) den politischen Katholizismus, wie der
Kirchenfälschungüberhaupt,Strafpredigtengehaltenhat;wennichfernernoch
anführensoll, dass seineFrauProtestantin, seinSohnalsNationalsozialist jetzt
verhaftet ist, somöchte ichdochdasalleinentscheidendsein lassen,dasserein
glühender Verfechter des autoritären Staates ist, dem er alle Stände, auch die
Kirche, unterordnet.«525 Ebenso wie Othmar Spann war Walter Heinrich in
Österreich wegen der deutschen, nationalsozialistischen Beziehungen ange-
feindet, in Deutschland wiederumwegen seines katholischen Hintergrundes.
Diese Nähe zumKatholizismus galt den Nazis als Indiz für politisch-weltan-
schaulicheUnzuverlässigkeit.
1936 kehrte Heinrich von seiner Düsseldorfer Tätigkeit wieder vollständig
nachWienzurück,woernachdernationalsozialistischenMachtergreifungaus
derHochschule fürWelthandel entlassenund ihmam21.März 1939 auchdie
523 SD-Bericht,DerSpannkreis5.
524 FritzThyssen, 16-seitigerBerichtüberdiewirtschafts- und sozialpolitischeEntwicklung,
BriefanAdolfHitlerviaHermannGöring,BundesarchivKoblenzR43II/527b,Blatt50–67.
525 FritzThyssen, 16-seitigerBerichtüberdiewirtschafts- und sozialpolitischeEntwicklung,
BriefanAdolfHitlerviaHermannGöring,BundesarchivKoblenzR43II/527b,Blatt50–67.
DiestaatswissenschaftlichenFächer596
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik