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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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senschaftlichen Fakultät waren Alfred Ploetz zufolge gut besucht.609 Obwohl keine Aufzeichnungen seiner Vorlesungen erhalten sind, gehe ich davon aus, dassReicheldenangehendenJuristinnenundJuristenwohl seineAnliegenaus Rassenhygiene vortrug, die juristisches Fachwissen erforderten, insbesondere im Bereich der Bevölkerungspolitik. Dazu zählten u.a.: steuerpolitische und sozialversicherungstechnische Maßnahmen wie eine Umschichtung von kin- derlosen auf kinderreiche Ehepaare beziehungsweise eine Novellierung des Erbrechtes; Maßnahmen zur »differentiellen Geburtenrate« wie Eheverbote oder eine verpflichtende Eheberatung und damit Einholung eines Ehetaug- lichkeitszeugnisses,daserblichbelasteteMenschenvonderHeirat–unddamit von der Fortpflanzung – ausschließen sollte; Siedlungspolitik wie etwa eine demographische UmschichtungWiens inMänner- und Frauenareale; Beach- tungdergenetischenQualitätbeiderLandvergabe;eugenischeMaßnahmenwie diedamalsnochstrafbareSterilisationrespektiveKastration.VorallemReichels »Sozialhygienische Seminar«, das ab demWintersemester 1923/24 im Vorle- sungsverzeichnis der Rechts- und Staatswissenschaften aufscheint, soll ein Treffpunkt für sozialhygienisch und eugenisch interessierteMediziner/innen, Jurist/inn/en, Fürsorger/innenundStudierendegewesensein.610 HeinrichReichel saß in jenen Jahren auch imgesundheitspolitischenBera- tergremium des BundespräsidentenMichael Hainisch und gründete 1928 ge- meinsammit JuliusWagner-Jauregg, Julius Tandler und anderen den »Öster- reichischenBundfürVolksaufartungundErbkunde«,dessenwissenschaftlichen BeiratauchHansKelsenangehörte.ReichelwaraußerdemalsMitgliedder1924 gegründeten »Wiener Gesellschaft für Rassenpflege« und der »International FederationofEugenicOrganisations«einzentralerProtagonistdereugenischen BewegungderZwischenkriegszeit. Als er 1933 als ordentlicher Professor nachGraz berufenwurde, bedeutete dies auchdasEnde fürdieHygienelehrveranstaltungenanderWienerRechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät. Reichel verstarb am 31.März 1943 in Graz. J. Staatsverrechnungswissenschaft (TamaraEHS) 1. Allgemeines Staatsverrechnungswissenschaft (manchmal auch: Staatsrechnungswissen- schaftoderVerrechnungskunde)umfasstedieWissenschaftvomStaatshaushalt, 609 Vgl.Ploetz, Lebensbild520. 610 Vgl. Schinzel,HeinrichReichel 196. Staatsverrechnungswissenschaft 633
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Title
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Authors
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2014
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
838
Category
Recht und Politik
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